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Tobias Schäfer (Foto: Stadt Heidelberg)
Tobias Schäfer
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
Gaisbergstraße 7 - 9
69115 Heidelberg

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Cluster 1

Dynamische Entwicklung + Sparsame Flächennutzung

Cluster 1

Die Stadt soll wachsen und sich entwickeln. Attraktive Arbeits- und Bildungsangebote und hohe Lebensqualität ziehen viele Menschen, Unternehmen, Einrichtungen und Institutionen nach Heidelberg. Sie sollen aktiv gefördert werden. Trotz dieses Wachstums geht die Stadt weiterhin sparsam mit der Ressource Fläche um und trägt so auch zukünftig dem Umweltschutz Rechnung. Zusätzlich benötigte Flächen für Wohnungsbau, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Infrastruktur werden im Bestand sowie an neuen Standorten in Heidelberg und in Kooperation mit der Region bereitgestellt und entwickelt. Das Bauen auf bereits versiegelten Flächen und die Nutzung bestehender Gebäude stehen im Fokus. Umsetzungsprogramme für Wirtschaft und Wohnen stellen sicher, dass jederzeit attraktive Entwicklungsflächen für Wirtschaft, Wissenschaft und Wohnen zur Verfügung stehen.

Weithin sichtbares Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung ist die Konversionsfläche des Patrick-Henry-Villages (PHV): Im Zentrum der Metropolregion wächst ein besonderer Ort der Innovation. Es entsteht ein Explo-Areal, ein Experimentierfeld, in dem Forschende, Beschäftigte und Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag des Stadtteils gemeinsam neue Lösungen entwickeln und erproben können. Heidelberg spielt dabei insbesondere seine Stärken als Spitzenstandort für Gesundheit und Lebenswissenschaften aus.

Ausgangslage: Wie ist die Situation in Heidelberg?

Heidelberg ist eine wachsende Stadt, beliebt als Wohnort und weltweit bekannt als innovativer Anziehungspunkt für Forschung und Wissenschaft. Zwischen 2015 und 2022 ist die Einwohnerzahl um rund 6.700 Menschen gestiegen, die Zahl der Beschäftigten wuchs im gleichen Zeitraum um etwa 5.000. Als renommierte Universitätsstadt ist Heidelberg besonders durch seine Studierenden geprägt – rund 40.000 Studentinnen und Studenten leben und lernen hier.

Die Siedlungs- und Verkehrsfläche nahm zwischen 2015 und 2023 um 23 Hektar zu. In Bezug auf die Bevölkerungszahl bleibt Heidelberg bereits jetzt unter den Vorgaben des Bundes. Durch die Umnutzung bestehender Flächen – etwa in der Bahnstadt oder auf ehemaligen Militär arealen – wurde zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Die Siedlungsund Verkehrs fläche je 1.000 Einwohner entwickelte sich konstant von 21,2 Hektar im Jahr 2015 auf 21,5 Hektar im Jahr 2023. Trotz einer der höchsten Wohnungszuwächse in Baden-Württemberg hat Heidelberg einen der niedrigsten Flächenverbrauche.

Versiegelung von Flächen bedeutet den Verlust von Naturräumen und reduziert die Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel (Hitzeschutz und Wasserspeicherung). Wertvolle Naturelemente, Landschaftsbild und Siedlungskanten benötigen Schutz.

Heidelberg wird Wachstum mit flächensparendem Bauen und aktiver Entsiegelung verbinden. Die zentrale Herausforderung besteht darin, Bevölkerungswachstum, Neuansiedlungen von Wissenschaft und Wirtschaft und unvermeidbare Neuversiegelungen nachhaltig zu gestalten.

Wie ist die Zielsetzung?

Heidelberg soll weiterhin eine wachsende Stadt bleiben. Um Wachstum und Wertschöpfung zu ermöglichen bleibt es wichtig, Flächen für Wohnungsbau und die erforderliche soziale Infrastruktur, Wirtschaft, Wissenschaft und Gemeinbedarfe zur Verfügung zu stellen. Bevölkerungswachstum und das Wachstum von Wirtschaft zu ermöglichen sind wichtige Ziele. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf soll gesteigert werden. Dies setzt die Entwicklung von Flächen für Wohnen und der dazugehörigen sozialen Infrastruktur, Standortentwicklung von Wirtschaft und Wissenschaft, Ausbildungsangebote, soziale Einrichtungen, Kultur etc. voraus.

Dabei wird die Siedlungsflächenkulisse des Flächennutzungsplans (FNP) zugrunde gelegt. Die Konversionsflächen sowie weitere unter- oder ungenutzter Flächen im Bestand werden mobilisiert, zugleich werden aktiv Flächen entsiegelt.

In der Zukunft wird effizient mit dem begrenzten Gut Fläche umgegangen. Neuversiegelung bleibt möglich, Entsiegelung wird vorangetrieben. Auf der Grundlage der sparsamen Flächennutzung wird das Prinzip einer angestrebten Netto Null weiterentwickelt. Heidelberg entwickelt entsprechende Instrumente zur Bilanzierung, die Netto Null Flächenbilanz. Es wird geklärt, wie versiegelte Fläche bilanziell betrachtet wird und wie Entsiegelung (quantitativ und qualitativ) angerechnet wird.

Auch Areale, die künftig von baulicher Entwicklung freizuhalten sind, werden festgelegt. Dabei sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auch über 2035 hinausdenken.

Für zukünftige Entwicklungen werden Flächen im Bestand mobilisiert. Wo Nutzungen aufgegeben oder nicht mehr benötigt werden, sollen neue Nutzungen entstehen. Dabei soll Bausubstanz erhalten und geschickt verändert werden, um Raum für Neues zu schaffen.

Die Siedlungsfläche soll sparsam genutzt werden. Hierzu gehört, dass die Einwohnerund Beschäftigtenzahl je Hektar erhöht werden soll. Dabei setzt Heidelberg auf Mehrfachnutzungen und Multicodierungen (z. B. bei Angeboten der sozialen Infrastruktur), Synergien zwischen Nutzungen (z. B. von Wohnen und Arbeiten) und effiziente Flächennutzung (z. B. Stapelung von Gewerbeflächen). Die Flächenbereitstellung im Bereich Wohnen und im Bereich Gewerbe soll so gesteuert werden, dass der benötigte Wohnraum und Gewerbeflächen kontinuierlich wachsen können. Die Flächenkulisse des FNP bildet dafür den Rahmen.

Flächen für emittierendes und klassisches Gewerbe müssen gesichert werden, um Betrieben gute Entwicklungsmöglichkeiten in Heidelberg zu bieten. Gewerbegebiete werden aktiv weiterentwickelt und möglichst effizient ausgenutzt. Zudem benötigt die Wirtschaftsförderung kurzfristig verfügbare Flächen, um aktive Ansiedlungspolitik betreiben zu können. Ein Umsetzungsprogramm für Wirtschaftsflächen soll dies sicherstellen und die Bedarfe in Zukunft besser steuerbar machen.

Grünflächen und Baumbestand sorgen für kühle Räume in der Stadt, sie sind wichtige Ausgangspunkte für die Anpassung an den Klimawandel. Dafür sollen Flächen im Bestand entsiegelt werden. Für Abkühlung in der Nacht braucht es Freiflächen, auf denen kühle Luft entstehen kann und Frischluftschneisen zur Durchlüftung. Die vorhandenen Freiflächen im Siedlungszusammenhang sollen klimawirksamer werden und die Qualität der Grünflächen gesteigert werden. Klimaanpassungsmaßnahmen umfassen den Gebäudesektor, Freiräume und Straßen. Ein System wichtiger Grün- und Freiflächen, Grünkorridore und Frischluftschneisen soll Heidelberg durchziehen und unbebaut bleiben. Dabei ist die große Herausforderung, zusätzliche bauliche Entwicklungen im Innenbereich zu ermöglichen und zugleich die Stadt an den Klimawandel anzupassen und den Natur- und Umweltschutz zu stärken.

Grün- und Freiflächen sind zudem wichtig für das Klima und die Biodiversität in der Stadt, wie z. B. den Erhalt und die Vernetzung der Lebensräume für die dort lebende Flora und Fauna. Im Sinne der Biodiversität stellen Grünflächen auch im innerstädtischen Bereich wichtige Trittsteinbiotope und Vernetzungselemente für Arten dar. Teilflächen sollen artenfreundlich hergerichtet und gepflegt werden, z. B. für Insekten oder Kleinsäuger. Dabei sind Barrieren, die eine Ausbreitung verhindern zu identifizieren und abzubauen.

Grün- und Freiflächen dienen der Erholung, der Gesundheit und der Begegnung. Sie sollen im öffentlichen Straßenraum und über das Stadtgebiet verteilt und gut erreichbar sein. Die Nutzung durch Bürgerinnen und Bürger jeden Alters ist niederschwellig möglich. Wasserversorgung und Toiletten sowie Sitzgelegenheiten sollten möglichst vorhanden sein. An ausgewählten Orten sollten zudem Bewegungs-, Sport- und Spielmöglichkeiten, Strom, Internetanbindung oder die Möglichkeit für kleine Veranstaltungen gegeben sein. Das Thema Lärmbelästigung von Anwohnerinnen und Anwohnern soll bei der Freiflächennutzung berücksichtigt werden.

Heidelberg hat ein einzigartiges städtebauliches Erbe und zugleich eine hohe Entwicklungsdynamik. Die historische Altstadt und die Stadtteilkerne sind identitätsstiftend und sollen behutsam weiterentwickelt werden. Für die zukünftige Entwicklung der Stadt verfolgt Heidelberg konsequent eine Strategie der mehrfachen Innenentwicklung (Umbau, Neubau, Anlage von Freiflächen, Mobilität etc.), um die vorhandenen Potenziale innerhalb bestehender Stadtteile umsichtig zu nutzen. Dabei liegt der Fokus auf der Schaffung vielfältiger Qualitäten. Besonders im Vordergrund stehen die Schaffung klimaresilienter Grünflächen, der Ausbau sozialer Infrastrukturen sowie die Förderung innovativer Mobilitätsangebote. Neue Wohn- und Arbeitsflächen sollen vorzugsweise auf bereits versiegelten Arealen entstehen, um wertvolle Freiflächen zu schützen.

Die Ziele im Überblick:

Räumliche Entwicklung

Kartenansicht von Heidelberg im Cluster 1.

Die Entwicklung im Außenbereich konzentriert sich auf die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Entwicklungsflächen. Die grünen Stadtkonturen setzen klare Grenzen für den Siedlungsraum und bleiben unangetastet, um wertvolle Freiflächen zu bewahren.

Für die künftige Stadtentwicklung liegt der Fokus auf dem Innenbereich. Hier verfolgt Heidelberg eine Strategie der mehrfachen Innenentwicklung, die mit besonderer Sorgfalt umgesetzt wird, um eine nachhaltige und ausgewogene Nutzung sicherzustellen.

Das Stadtentwicklungskonzept ist eng mit dem Modell Räumliche Ordnung verzahnt und die Inhalte sind aufeinander
abgestimmt. Hier werden räumliche Inhalte aus dem Modell Räumliche Ordnung dargestellt.

Wege zum Ziel

Fachliche Vertiefung

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