Heidelberg soll weiterhin eine wachsende Stadt bleiben. Um Wachstum und Wertschöpfung zu ermöglichen bleibt es wichtig, Flächen für Wohnungsbau und die erforderliche soziale Infrastruktur, Wirtschaft, Wissenschaft und Gemeinbedarfe zur Verfügung zu stellen. Bevölkerungswachstum und das Wachstum von Wirtschaft zu ermöglichen sind wichtige Ziele. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf soll gesteigert werden. Dies setzt die Entwicklung von Flächen für Wohnen und der dazugehörigen sozialen Infrastruktur, Standortentwicklung von Wirtschaft und Wissenschaft, Ausbildungsangebote, soziale Einrichtungen, Kultur etc. voraus.
Dabei wird die Siedlungsflächenkulisse des Flächennutzungsplans (FNP) zugrunde gelegt. Die Konversionsflächen sowie weitere unter- oder ungenutzter Flächen im Bestand werden mobilisiert, zugleich werden aktiv Flächen entsiegelt.
In der Zukunft wird effizient mit dem begrenzten Gut Fläche umgegangen. Neuversiegelung bleibt möglich, Entsiegelung wird vorangetrieben. Auf der Grundlage der sparsamen Flächennutzung wird das Prinzip einer angestrebten Netto Null weiterentwickelt. Heidelberg entwickelt entsprechende Instrumente zur Bilanzierung, die Netto Null Flächenbilanz. Es wird geklärt, wie versiegelte Fläche bilanziell betrachtet wird und wie Entsiegelung (quantitativ und qualitativ) angerechnet wird.
Auch Areale, die künftig von baulicher Entwicklung freizuhalten sind, werden festgelegt. Dabei sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auch über 2035 hinausdenken.
Für zukünftige Entwicklungen werden Flächen im Bestand mobilisiert. Wo Nutzungen aufgegeben oder nicht mehr benötigt werden, sollen neue Nutzungen entstehen. Dabei soll Bausubstanz erhalten und geschickt verändert werden, um Raum für Neues zu schaffen.
Die Siedlungsfläche soll sparsam genutzt werden. Hierzu gehört, dass die Einwohnerund Beschäftigtenzahl je Hektar erhöht werden soll. Dabei setzt Heidelberg auf Mehrfachnutzungen und Multicodierungen (z. B. bei Angeboten der sozialen Infrastruktur), Synergien zwischen Nutzungen (z. B. von Wohnen und Arbeiten) und effiziente Flächennutzung (z. B. Stapelung von Gewerbeflächen). Die Flächenbereitstellung im Bereich Wohnen und im Bereich Gewerbe soll so gesteuert werden, dass der benötigte Wohnraum und Gewerbeflächen kontinuierlich wachsen können. Die Flächenkulisse des FNP bildet dafür den Rahmen.
Flächen für emittierendes und klassisches Gewerbe müssen gesichert werden, um Betrieben gute Entwicklungsmöglichkeiten in Heidelberg zu bieten. Gewerbegebiete werden aktiv weiterentwickelt und möglichst effizient ausgenutzt. Zudem benötigt die Wirtschaftsförderung kurzfristig verfügbare Flächen, um aktive Ansiedlungspolitik betreiben zu können. Ein Umsetzungsprogramm für Wirtschaftsflächen soll dies sicherstellen und die Bedarfe in Zukunft besser steuerbar machen.
Grünflächen und Baumbestand sorgen für kühle Räume in der Stadt, sie sind wichtige Ausgangspunkte für die Anpassung an den Klimawandel. Dafür sollen Flächen im Bestand entsiegelt werden. Für Abkühlung in der Nacht braucht es Freiflächen, auf denen kühle Luft entstehen kann und Frischluftschneisen zur Durchlüftung. Die vorhandenen Freiflächen im Siedlungszusammenhang sollen klimawirksamer werden und die Qualität der Grünflächen gesteigert werden. Klimaanpassungsmaßnahmen umfassen den Gebäudesektor, Freiräume und Straßen. Ein System wichtiger Grün- und Freiflächen, Grünkorridore und Frischluftschneisen soll Heidelberg durchziehen und unbebaut bleiben. Dabei ist die große Herausforderung, zusätzliche bauliche Entwicklungen im Innenbereich zu ermöglichen und zugleich die Stadt an den Klimawandel anzupassen und den Natur- und Umweltschutz zu stärken.
Grün- und Freiflächen sind zudem wichtig für das Klima und die Biodiversität in der Stadt, wie z. B. den Erhalt und die Vernetzung der Lebensräume für die dort lebende Flora und Fauna. Im Sinne der Biodiversität stellen Grünflächen auch im innerstädtischen Bereich wichtige Trittsteinbiotope und Vernetzungselemente für Arten dar. Teilflächen sollen artenfreundlich hergerichtet und gepflegt werden, z. B. für Insekten oder Kleinsäuger. Dabei sind Barrieren, die eine Ausbreitung verhindern zu identifizieren und abzubauen.
Grün- und Freiflächen dienen der Erholung, der Gesundheit und der Begegnung. Sie sollen im öffentlichen Straßenraum und über das Stadtgebiet verteilt und gut erreichbar sein. Die Nutzung durch Bürgerinnen und Bürger jeden Alters ist niederschwellig möglich. Wasserversorgung und Toiletten sowie Sitzgelegenheiten sollten möglichst vorhanden sein. An ausgewählten Orten sollten zudem Bewegungs-, Sport- und Spielmöglichkeiten, Strom, Internetanbindung oder die Möglichkeit für kleine Veranstaltungen gegeben sein. Das Thema Lärmbelästigung von Anwohnerinnen und Anwohnern soll bei der Freiflächennutzung berücksichtigt werden.
Heidelberg hat ein einzigartiges städtebauliches Erbe und zugleich eine hohe Entwicklungsdynamik. Die historische Altstadt und die Stadtteilkerne sind identitätsstiftend und sollen behutsam weiterentwickelt werden. Für die zukünftige Entwicklung der Stadt verfolgt Heidelberg konsequent eine Strategie der mehrfachen Innenentwicklung (Umbau, Neubau, Anlage von Freiflächen, Mobilität etc.), um die vorhandenen Potenziale innerhalb bestehender Stadtteile umsichtig zu nutzen. Dabei liegt der Fokus auf der Schaffung vielfältiger Qualitäten. Besonders im Vordergrund stehen die Schaffung klimaresilienter Grünflächen, der Ausbau sozialer Infrastrukturen sowie die Förderung innovativer Mobilitätsangebote. Neue Wohn- und Arbeitsflächen sollen vorzugsweise auf bereits versiegelten Arealen entstehen, um wertvolle Freiflächen zu schützen.