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Tobias Schäfer (Foto: Stadt Heidelberg)
Tobias Schäfer
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
Gaisbergstraße 7 - 9
69115 Heidelberg

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Cluster 3

Inklusives und soziales Miteinander + Individuell geprägte Orte

Illustration Cluster 3

In Heidelberg wird soziales Miteinander gelebt. Keimzelle hierfür sind die Stadtteile. Für den täglichen Bedarf, die Gesundheitsversorgung und Freizeit ist ebenso gesorgt wie für bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum und niederschwellige Begegnungsorte. Kurze Wege gibt es auch zu den vielfältigen Bildungseinrichtungen. Sie werden gestärkt und vernetzt, um gute Startchancen und lebenslanges Lernen für alle zu ermöglichen – von Kindertagesstätten über Schulen bis zu Erwachsenenbildung. Die Stadt bekennt sich klar zu Chancengleichheit, Inklusion, Integration, Vielfalt und gleichberechtigter Teilhabe. Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben sowie die Fähigkeit zur Selbstbestimmung werden gefördert. Die unterschiedlichen Charaktere der Stadtteile und ihre individuell geprägten Gebiete bestimmen die lebendige Vielfalt der gesamten Stadt. Die Entwicklung der Stadtteile mit Räumen für Wohnen, Wirtschaft und Handel, Wissenschaft, Kultur, Sport und Soziales sorgt für eine lebenswerte Stadt. Heidelberg versteht sich als Stadt der kurzen Wege.

Ausgangslage: Wie ist die Situation in Heidelberg?

Heidelberg ist eine internationale, tolerante und weltoffene Stadt – und entsprechend vielfältig ihre Bevölkerung und ihre Stadtteile. Menschen aus 160 Nationen leben und arbeiten hier. Die Stadt ist durch die vielen Studierenden sehr jung, das Bildungsniveau ist überdurchschnittlich. Qualität und Angebotsvielfalt in den Bereichen Bildung, soziale Infrastruktur, Kultur, Sport und Freizeit sind hoch. Doch nicht alle Menschen haben die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Wohnraum, Arbeitsplätzen, sozialer Infrastruktur, Bildung oder Freizeitaktivitäten. 

Die Stadtteile Heidelbergs haben eigenständige Identitäten und individuelle Qualitäten. Unterschiede zwischen den Stadtteilen und in der Stadtgesellschaft sind erkennbar: So variieren Alter, Anteil der Familien und Formen des Zusammenlebens sowie Wahlbeteiligung oder Quoten der SGBII Bedarfsgemeinschaften in den Stadtteilen.

Heidelberg ist als regionales Oberzentrum attraktiv. Es gibt eine große Nutzungsvielfalt auf engem Raum: Wissenschaft, Produktion, Ausbildung, Wohnen, Kultur und Erholung liegen eng beieinander. Einzelhandel, Gastronomie und Tourismus kommen hinzu. Das erzeugt auch Konflikte. Lärm- und Geruchsbelastung oder Verkehr können Wohnnutzungen oder soziale Einrichtungen stören.

Gleichzeitig hat es sich bewährt, Gebiete, die vornehmlich von Gewerbe oder Wissenschaft genutzt werden, von der Wohnbebauung zu trennen. Wissenschaft und Wirtschaft benötigen ausreichend Entwicklungsraum, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben. Dafür wird unter anderem der Masterplan Im Neuenheimer Feld umgesetzt oder neue Gewerbegebiete (zum Beispiel gemeinsam mit Leimen) ausgewiesen. Insgesamt trägt eine Nutzungstrennung dazu bei, dass sowohl Gewerbe als auch Wissenschaft in ihrer jeweiligen Funktion gestärkt und weiterentwickelt werden können.

Heidelberg wird Wachstum mit flächensparendem Bauen und aktiver Entsiegelung verbinden. Die zentrale Herausforderung besteht darin, Bevölkerungswachstum, Neuansiedlungen von Wissenschaft und Wirtschaft und unvermeidbare Neuversiegelungen nachhaltig zu gestalten.

Viele andere Nutzungen passen gut zusammen. Es ist eine Qualität des Wohnstandortes, wenn Arbeitsplätze, Läden, Schulen, Kindertageseinrichtungen, Ausbildungsorte, Ärztinnen und Ärzte, Kultur- und Freizeitangebote, Sportflächen etc. fußläufig erreichbar sind. Die „Stadt der kurzen Wege“ ist in vielen Stadtteilen bereits Realität und führt zu einem guten sozialen Miteinander und hoher Lebensqualität. Diese Mischung muss nicht immer in unmittelbarer Nachbarschaft erfolgen, aber im Stadtteil ist sie von hohem Wert. Fast alle Stadtteile weisen diese Nutzungsmischung auf und haben lebendige Stadtteilzentren. In Boxberg, Emmertsgrund, Wieblingen, Schlierbach und im Pfaffengrund fehlen einzelne Funktionen, die Alltagswege sind länger. Verdrängung kann die Nutzungsmischung gefährden, indem sich die jeweils ökonomisch stärkere Nutzung durchsetzt (zum Beispiel Wohnen gegen Gewerbe, Beherbergung gegen Wohnen). Eine von Heidelbergs größten Herausforderungen ist eine bedarfsgerechte Wohnraumversorgung. Dies bestätigt auch die Heidelberg-Studie (2023): Hohe Mieten beziehungsweise das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum werden von den Befragten als wichtigstes Problem benannt. 

Die Bahnstadt und die Südstadt haben durch den Wohnungsneubau und den Stadtumbau einen Beitrag dazu geleistet, dass gerade junge Familien in Heidelberg bleiben und nicht ins Umland wegziehen mussten. Der Wohnungsbau im Bestand ist für jeden Stadtteil wichtig, um eine ausgewogene Bevölkerungsentwicklung, Platz für junge Familien und ein lebendiges Stadtteilleben zu ermöglichen. Einige Menschen wohnen auf mehr Fläche als sie benötigen. Doch nur wenn bezahlbare, gut gelegene, kleinere Wohnungen zur Verfügung stehen, werden größere Wohnungen frei und es kann ein Generationswechsel gelingen.

Wie ist die Zielsetzung?

Die Stadtteile sollen auch in Zukunft die Kraftorte der Stadt sein und sozial und funktional gemischt sein. Sie stiften Identität und geben den Menschen eine Heimat. Dazu müssen die Stadtteilzentren gestärkt werden. Die Unterschiedlichkeit der Stadtteile wird durch spezifische Konzepte und individuelle Ansätze erhalten und gefördert. Das vielfältige Vereinsleben, zahlreiche Initiativen, Beteiligungsmöglichkeiten und freiwillig Engagierte tragen zum Gemeinschaftsgefühl im Stadtteil bei. Dieses breite Spektrum an gesellschaftlicher Teilhabe, an Integration und an Identifikation soll erhalten und gefördert werden.

Die Möglichkeit zur Prägung individueller Orte spielt eine entscheidende Rolle, um die verschiedenen Bedürfnisse und Anforderungen der städtischen Funktionen optimal zu erfüllen. In diesem Zusammenhang werden Gewerbegebiete in ihrer Funktion gestärkt, um sicherzustellen, dass sie nicht durch andere Nutzungen verdrängt werden. Die Entwicklungsmöglichkeiten sollen auch innerhalb bestehender Gewerbegebiete stattfinden, um die vorhandene Infrastruktur effizient zu nutzen und die wirtschaftliche Dynamik zu fördern.

Auch die Wissenschaft benötigt ausreichend Entwicklungsraum, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben. Dafür werden in der Innenstadt künftig Standorte der Wissenschaft gebündelt. Der Masterplan im Neuenheimer Feld wird umgesetzt. Insgesamt trägt die klare Nutzungstrennung dazu bei, dass sowohl Gewerbe als auch Wissenschaft in ihrer jeweiligen Funktion gestärkt und weiterentwickelt werden können.

Für ganz Heidelberg gilt: Eine gute Ausstattung mit sozialer und kultureller Infrastruktur und Einrichtungen des täglichen Bedarfs in jedem Stadtteil sind ein wichtiges Anliegen. Hierbei ist insbesondere auf eine funktionierende Nahversorgung zu achten. Heidelberg hat ein breites Verständnis von sozialer Infrastruktur, welches neben öffentlichen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, medizinischer Versorgung und Beratung auch Orte des Lebenslangen Lernens, wie öffentliche Bibliotheken, von der Zivilgesellschaft getragene Orte, wie Sportvereine oder Kultureinrichtungen und nicht zuletzt Begegnungsorte und Freiräume im öffentlichen Raum umfasst.

Für die Stadtgesellschaft ist das Sporttreiben in Vereinen ein hervorragendes Mittel für Begegnungen unterschiedlicher Menschen. Hierdurch wird das Gefühl gestärkt, in Heidelberg dazuzugehören. Der Sport wird in Kombination mit anderen Bereichen des kulturellen Lebens und der individuellen Freizeitgestaltung in den Städten gesehen.

Ein zentraler Ansatz für funktionierende Nachbarschaften sind kurze, sichere Wege: Zwischen zu Hause und der Arbeit oder der Schule, zwischen Freizeit und Einkaufen. Dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und dem Fuß- und Radverkehr wird Vorrang eingeräumt. Die nahräumliche Mobilität wird gestärkt.

Ein weiterer zentraler Aspekt für Teilhabe ist gute Arbeit – Integration am Arbeitsplatz schafft die soziale Grundlage für ein gutes und selbstbestimmtes Leben. Entscheidend ist daneben guter Wohnraum, für eine positive Bevölkerungsentwicklung müssen freie Wohnungen bereitstehen. Ein wichtiges Ziel ist daher der Erhalt und die Schaffung von zusätzlichem bezahlbarem und bedarfsgerechtem Wohnraum für alle in allen Stadtteilen. 

Das Ziel dabei ist eine gute soziale Durchmischung in den Stadtteilen. Das setzt auch die gezielte Schaffung von spezifischen Angeboten, z. B. Wohnungen für Familien oder barrierefreiem Wohnraum für Menschen mit Behinderung oder ältere Menschen voraus. Heidelberg soll auch Menschen mit unteren und mittleren Einkommen bezahlbaren Wohnraum bieten. Dazu gehört ein gutes Wohnumfeld, das soziale Infrastruktur, kühlende Grünstrukturen und gute Verkehrsanbindungen umfasst. 

Heidelberg hat alle Zielgruppen im Blick und macht bedarfsgerechte Angebote. Dabei liegt der Fokus mehr auf der Sichtbarmachung und auf der Entwicklung bestehender Angebote, als auf der Schaffung neuer Angebote. Gute Zugänge zu beispielsweise Bewegungs-, Bildungs-, Beratungsangeboten oder guter Ernährung werden gefördert. Gestaltungsspielräume für die Zivilgesellschaft ermöglichen Mitgestaltung und Selbstwirksamkeit im Wohnumfeld. Gute Beteiligungsformate geben den Heidelberger Bürgerinnen und Bürgern eine starke Stimme und unterstützen damit die Demokratie.

Die Stadt Heidelberg tritt Diskriminierung konsequent entgegen und setzt sich für die Gestaltung des sozialen Wandels im Sinne von Gleichberechtigung, Chancengleichheit und dem Abbau gruppenbezogener Vorurteile ein. Neben den gesetzlichen Aufträgen durch internationale, wie Bundes- und Landesgesetze hat sie sich auch durch ihre Mitgliedschaften in der UNESCO European Coalition of Cities against Racism (ECCAR), der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene sowie dem Rainbow Cities Network verpflichtet, Gleichstellung, Antidiskriminierung und Vielfalt aktiv und strukturell umzusetzen.

Die Vielfalt der Gesellschaft macht die Qualität und Identität der Stadt aus. Öffentliche Räume und Begegnungsorte schützen vor Einsamkeit, bringen Nachbarschaft zusammen und ermöglichen Teilhabe und Inklusion. Das Angebot an inklusiven Begegnungsorten in Räumen und auf Plätzen für alle Gruppen soll weiter ausgebaut werden. Dabei ist in den Blick zu nehmen, welche Gruppen welche Bedarfe in welchen Stadtteilen haben. Spezifische Orte oder „Safe Spaces“ für marginalisierte Gruppen oder Menschen mit besonderen Bedarfen werden dabei berücksichtigt.

Der öffentliche Raum kann nicht überall allen Ansprüchen gerecht werden, verschiedene Ansprüche müssen ausgehandelt werden. Vielfalt und Unterschiedlichkeit bedeutet, vor allem in einer Großstadt, auch Reibung. Heidelberg akzeptiert die Unterschiedlichkeit seiner Menschen. Eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben ist Sicherheit und Kriminalprävention. Alle Menschen sollen sich im Stadtraum und in öffentlichen Einrichtungen sicher fühlen.

Die Ziele im Überblick:

Räumliche Entwicklung

Karte Cluster 3

Das Stadtentwicklungskonzept ist eng mit dem Modell Räumliche Ordnung (MRO) verzahnt und die Inhalte sind aufeinander abgestimmt. Hier werden räumliche Inhalte aus dem MRO dargestellt. 

Das Ziel des STEK besteht darin, eine vielfältige Nutzung insbesondere in den Zentren und zentralen Bereichen der Stadt zu fördern. Im Sinne der Stadt der kurzen Wege werden Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Begegnungsorte etc. eng miteinander verknüpft.

Gleichzeitig wird großer Wert auf die individuelle Identität einzelner Standorte gelegt. So werden Gewerbegebiete in ihrer Funktion gezielt gestärkt, um ihre Beständigkeit zu sichern und sie vor Verdrängung durch andere Nutzungen zu schützen. Auch der Wissenschaft wird ausreichender Raum für Entwicklung eingeräumt, um ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu gewährleisten.

Wege zum Ziel

Fachliche Vertiefung

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