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Tobias Schäfer (Foto: Stadt Heidelberg)
Tobias Schäfer
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
Gaisbergstraße 7 - 9
69115 Heidelberg

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Cluster 6

Gesunde, resiliente und sichere Stadt + Stadt im Stress

Illustration Cluster 6

Ein sicheres und gesundes Leben wird weiterhin gezielt gefördert – auch mit attraktiven Bewegungs- und Sportangeboten. Der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Demokratie sollen gestärkt werden. Bürgerinnen und Bürger können sich auf vielfältige Weise einbringen, die digitale städtische Beteiligungsplattform baut diesen Weg weiter aus. Heidelberg reagiert auf herausfordernde Veränderungen wie den Klimawandel und globale Krisen mit Frühwarnsystemen und klimaangepasster Stadtentwicklung. Auch die Sicherstellung der öffentlichen Ordnung und der Schutz der Versorgungsinfrastruktur hat eine hohe Bedeutung.

Ausgangslage: Wie ist die Situation in Heidelberg?

Städte stehen unter Stress. Klimabedingte Katastrophen, globale Krisen wie Kriege oder Pandemien beeinflussen die Entwicklung Heidelbergs. Die Bevölkerung vor Krisen zu schützen und die Strukturen der Stadt robust zu gestalten, ist eine Kernaufgabe der Stadt. Im Bewusstsein der Heidelberger Bevölkerung noch sehr präsente Krisensitua tionen sind besonders die Pandemie und die starke, durch Kriege ausgelöste Zuwanderung. Beide Beispiele haben sich direkt auf die Entwicklung der Stadt ausgewirkt. Oftmals drücken sich Krisen mit Veränderungen der Einwohnerzahl aus. Die Pandemie führte nicht nur zum temporären Verlust des städtischen Lebens, auch die internationale Bevölkerung (insbesondere Studierende) ging zurück. Der Krieg gegen die Ukraine hingegen führte zu starker Zuwanderung und ließ die Bevölkerungszahl steigen.

Der Blick in die europäische Stadtgeschichte und in die lange Geschichte der Stadt Heidelberg zeigt, dass Krisen und Katastrophen auch die städtebaulichen Entwicklungen in erheblichem Maße geprägt haben. Nach Kriegen, Überschwemmungen, Explosionen und Stadtbränden sowie Epidemien wurden nicht nur die zerstörten Gebäude wiederaufgebaut. Vielmehr wurde die Chance ergriffen, um die Stadt an ohnehin veränderte sozioökonomische Rahmenbedingungen und neue bautechnische oder funktionale Anforderungen anzupassen. Die barocke Altstadt Heidelbergs ist heute von so großer Bedeutung, weil sie nach der Zerstörung 1693 im Pfälzischen Erbfolgekrieg komplett neu aufgebaut wurde. Der Wiederaufbau führte zu neuen, robusteren Stadtstrukturen und bot Platz für neue Nutzungen. Somit kann der Umgang mit Krisen und Katastrophen auch gleichzeitig innovative institutionelle Strukturen, Strategien und Instrumente für die Stadtentwicklung fördern. 

Doch welche Faktoren gefährden die Stadt Heidelberg? Eine Orientierung bietet der „Stresstest Stadt“, eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Er identifiziert für deutsche Großstädte folgende Stressfaktoren: Schrumpfung, Schwarmstadt, Branchenwandel oder Unternehmensverlust, gesellschaftliche Polarisierung, Außenzuwanderung, Starkregen/Starkniederschläge, thermische Belastung, Krise der Energieversorgung, Industrieunfall/Havarie, Erdbeben/Erdsenkungen, Pandemie/Epidemie, Cyber-Angriffe. 

Diese Risiken lassen sich auf der einen Seite im Zusammenhang von Eintrittswahrscheinlichkeit, Anfälligkeit und möglichem Schadensausmaß einschätzen. Ein Beispiel ist die besondere Anfälligkeit komplexer, digital und global vernetzter Systeme, welche in einer vernetzten Wissenschaftsstadt wie Heidelberg eine große Rolle spielen. Auf der anderen Seite bringen Städte individuelle Stärken und Kapazitäten mit – durch die vorhandenen Kompetenzen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft hat Heidelberg große Handlungskapazitäten zur Bewältigung von Krisen und die Anpassung an deren Auswirkungen. Die Fähigkeit und Bereitschaft zum Lernen, zur Veränderung, zur kritischen Selbstreflexion und zur Reorganisation kommt Heidelberg zugute.

Stressfaktoren sind akute Ereignisse wie beispielsweise ein Starkregen oder können auch langsam fortschreitende Prozesse wie beispielsweise räumliche Polarisierung oder das Wohlergehen und die Gesundheit der Menschen sein. Das Zusammenleben und eine gesellschaftliche Stabilität sind wichtig für die robuste Stadt. Heidelberg fördert Gesundheit und Lebensqualität und ist Mitglied im „Gesunde Städte-Netzwerk Deutschland“. Für die städtische Gesellschaft sind in verstärktem Maße Bewegung, Spiel und Sport als effektive Gesundheitsvor- und nachsorge und damit als Beitrag zu einer „gesunden Stadt“ von sehr hoher Bedeutung.

Fragt man die Heidelbergerinnen und Heidelberger geben 95 Prozent der Befragten an, sich in Heidelberg wohlzufühlen (Heidelberg-Studie von 2023). Doch die Zahl derer, die sich „sehr wohl“ fühlen, ist deutlich zurückgegangen und seit 2020 bewerten die Befragten ihre eigene wirtschaftliche Lage kontinuierlich schlechter. Mit Blick auf die Zukunft geht die Mehrheit inzwischen davon aus, dass es den eigenen Kindern wirtschaftlich schlechter als ihnen selbst gehen wird. Heidelberg hat starke und gut in der Bevölkerung verankerte demokratische Strukturen. Das Interesse für Politik ist bei Heidelbergerinnen und Heidelbergern weiterhin hoch. Die Wahlbeteiligung bei Wahlen liegt in der Regel über dem Bundesdurchschnitt. 

86 Prozent der Befragten interessieren sich mehrheitlich für Politik. Bei dem Interesse für Kommunalpolitik sind dies 75 Prozent. Etwa 90 Prozent bewerten Bürgerbeteiligung als wichtig. 

Das bürgerschaftliche Engagement in Heidelberg ist hoch und schafft die Voraussetzungen für einen demokratischen und solidarischen Zusammenhalt. Es gibt aber auch Stadtviertel, in denen der nachbarschaftliche Zusammenhalt geringer ist. Oft fehlen den Menschen hier schlicht die individuellen Ressourcen, sich in der Nachbarschaft einzubringen.

Wie ist die Zielsetzung?

Ein wichtiges Ziel des STEK ist die resiliente Stadt: Alle Bereiche der Stadtentwicklung sollen für potenzielle Krisen, Prävention und Vorsorge sensibilisiert sein. Nicht jede Auswirkung von Krisen wird zu vermeiden sein, es gilt aber die Stadt so aufzustellen, dass ein Kollaps der Infrastruktur in jedem Krisenszenario vermieden werden kann und robuste Basis-Infrastrukturen auch im Katastrophenfall funktionsfähig bleiben. Für die Resilienz der Stadt müssen robuste und anpassungsfähige Strukturen erhalten und entwickelt werden. Damit sind sowohl bauliche, institutionelle und soziökonomische Strukturen gemeint, die negative Auswirkungen von Krisen und Katastrophen verhindern oder reduzieren können. Daneben ist die Anpassungsfähigkeit an neue, stress auslösende Rahmenbedingungen und Entwicklungen wichtig. Dies umfasst die Fähigkeiten zur Reaktion, Innovation und Umsetzung. 

Digitale und auch analoge Technologien müssen in zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge redundant vorhanden sein. Prozesse und Abläufe im Katastrophenmanagement müssen multi-funktional funktionieren, genauso wie die Information der Bevölkerung im Katastrophenfall. Die Infrastruktur muss kontinuierlich an neue Herausforderungen angepasst werden, reaktionsfähig und flexibel einsetzbar sein und digitale Möglichkeiten und verfügbare Daten müssen genutzt werden. Dies kann Vorwarnzeiten erhöhen und Schäden minimieren, beispielsweise im Falle von Hitze-, Hochwasser- oder Starkregenereignissen. 

Die Stadt sorgt für ihre Bürgerschaft im Krisen- und Katastrophenfall. Im Zentrum stehen dabei immer die Menschen – Krisenprävention hat Sicherheit und gesunde Lebensverhältnisse zum Ziel. Besonders vulnerable Gruppen werden dabei explizit beachtet. Beispiele sind ältere Menschen, die besonders unter sommerlicher Hitze leiden oder Menschen mit Behinderung, die schwieriger evakuiert werden können. Katastrophenpläne müssen die besonderen Anforderungen vulnerabler Gruppen (z. B. Barrierefreiheit) berücksichtigen. 

Für die Reaktionsfähigkeit einer Gesellschaft auf Krisen und Katastrophen spielen auch die gesellschaftlichen Strukturen eine zentrale Rolle. Eine starke Stadtgesellschaft kann Krisen gut überwinden. Krisen- und Katastrophenvorsorge ist eine Gemeinschaftsaufgabe, weshalb die Stadt auch zukünftig die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft aktiv einbindet. Es gilt auch, Eigenverantwortung zu stärken. 

Ziel ist es ein gesundes, glückliches, aktives, selbstbestimmtes und langes Leben für alle Menschen zu ermöglichen. Heidelberg will eine gesunde und sichere Stadt sein. Nicht nur im Krisenfall, sondern auch im Alltag setzt Heidelberg bis 2035 stärker auf Prävention. Maßnahmen hierzu bündelt z. B. der Hitzeaktionsplan von 2022. Über alle Altersgruppen hinweg sind passgenaue Strategien wichtig. Insbesondere zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen setzt Heidelberg auf schnell verfügbare Angebote. 

Im Rahmen der Health in All Policies (HiAP) der WHO sollen Gesundheit und Wohlergehen bei allen städtischen Entwicklungen mitgedacht werden. Dies betrifft nicht nur den Gesundheitssektor, sondern auch weiter greifende Themen wie angemessene Wohnbedingungen, Bildung, Sport, Ernährung und Einkommen.

Die Rahmenbedingungen für eine langfristig nachhaltige und sichere Trinkwasserversorgung sind vorhersehbar im Wandel. Der steigende Trinkwasserbedarf durch den erwarteten Bevölkerungszuwachs, steigende Anforderungen an die Trinkwasserqualität und die klimabedingten Änderungen der Verfügbarkeit der Wasserressourcen erfordern eine klare strategische Ausrichtung zur Sicherung der Wasserversorgung in Heidelberg.

Heidelberg verbessert das soziale Miteinander und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dazu sind gemeinsame Begegnungen und Aktivitäten der Menschen wichtig, damit sich diese gegenseitig kennen, akzeptieren und wertschätzen lernen können. Heidelberg setzt im unmittelbaren Wohnumfeld an und stärkt den nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Für die Stadt Heidelberg ist die Nachbarschaftsförderung damit eine zentrale Aufgabe. Wenn in der Nachbarschaft Sichtweisen und Meinungen ausgetauscht, Konflikte ausgetragen und Kompromisse gefunden werden, findet Demokratiebildung im Alltag statt.

Heidelberg setzt sich zum Ziel, die lokale Demokratie wehrhaft und krisensicher aufzustellen. Das schon heute starke Engagement und Interesse für das Stadtgeschehen sind gute Voraussetzungen hierfür. Heidelberg möchte der räumlichen Polarisierung entgegen wirken und die Wahlbeteiligung und das Interesse an der Kommunalpolitik steigern. 

Heidelberg versteht Innovation als zentrale Kraft– durch gezielte Kooperation, mutiges Ausprobieren und eine datenbasierte, lernende Verwaltung können neue Lösungen entstehen.

Im Alltag setzt Heidelberg bis 2035 auf die smarte Nutzung von Daten – indem zentrale Informationen zu Netzen, Infrastruktur und Versorgung zusammenlaufen und für die Entwicklung der Stadt nutzbar gemacht werden. Datensilos sollen aufgebrochen, Schnittstellen vereinheitlicht werden. Digitalisierung oder smarte Lösungen dürfen dabei niemals zum Selbstzweck werden, sondern müssen immer im Sinne von einem spürbaren Mehrwert für die Lebensqualität der Menschen in Heidelberg gedacht werden. Digitalisierung und Open Data können die Zugänglichkeit von Angeboten steigern und können daher als Beitrag zu niedrigschwelliger Teilhabe und Beteiligung aller gezielt eingesetzt werden. Nicht alle Menschen sind gleich digital kompetent oder verfügen über die nötigen Endgeräte, weshalb die Stadt im Sinne des lebenslangen Lernens Digital- und Medienkompetenz gezielt fördert, Endgeräte (z. B. in der Stadtbücherei) und auch analoge Zugänge weiter zur Verfügung gestellt.

Die Ziele im Überblick:

Wege zum Ziel

Fachliche Vertiefung

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