Städte stehen unter Stress. Klimabedingte Katastrophen, globale Krisen wie Kriege oder Pandemien beeinflussen die Entwicklung Heidelbergs. Die Bevölkerung vor Krisen zu schützen und die Strukturen der Stadt robust zu gestalten, ist eine Kernaufgabe der Stadt. Im Bewusstsein der Heidelberger Bevölkerung noch sehr präsente Krisensitua tionen sind besonders die Pandemie und die starke, durch Kriege ausgelöste Zuwanderung. Beide Beispiele haben sich direkt auf die Entwicklung der Stadt ausgewirkt. Oftmals drücken sich Krisen mit Veränderungen der Einwohnerzahl aus. Die Pandemie führte nicht nur zum temporären Verlust des städtischen Lebens, auch die internationale Bevölkerung (insbesondere Studierende) ging zurück. Der Krieg gegen die Ukraine hingegen führte zu starker Zuwanderung und ließ die Bevölkerungszahl steigen.
Der Blick in die europäische Stadtgeschichte und in die lange Geschichte der Stadt Heidelberg zeigt, dass Krisen und Katastrophen auch die städtebaulichen Entwicklungen in erheblichem Maße geprägt haben. Nach Kriegen, Überschwemmungen, Explosionen und Stadtbränden sowie Epidemien wurden nicht nur die zerstörten Gebäude wiederaufgebaut. Vielmehr wurde die Chance ergriffen, um die Stadt an ohnehin veränderte sozioökonomische Rahmenbedingungen und neue bautechnische oder funktionale Anforderungen anzupassen. Die barocke Altstadt Heidelbergs ist heute von so großer Bedeutung, weil sie nach der Zerstörung 1693 im Pfälzischen Erbfolgekrieg komplett neu aufgebaut wurde. Der Wiederaufbau führte zu neuen, robusteren Stadtstrukturen und bot Platz für neue Nutzungen. Somit kann der Umgang mit Krisen und Katastrophen auch gleichzeitig innovative institutionelle Strukturen, Strategien und Instrumente für die Stadtentwicklung fördern.
Doch welche Faktoren gefährden die Stadt Heidelberg? Eine Orientierung bietet der „Stresstest Stadt“, eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Er identifiziert für deutsche Großstädte folgende Stressfaktoren: Schrumpfung, Schwarmstadt, Branchenwandel oder Unternehmensverlust, gesellschaftliche Polarisierung, Außenzuwanderung, Starkregen/Starkniederschläge, thermische Belastung, Krise der Energieversorgung, Industrieunfall/Havarie, Erdbeben/Erdsenkungen, Pandemie/Epidemie, Cyber-Angriffe.
Diese Risiken lassen sich auf der einen Seite im Zusammenhang von Eintrittswahrscheinlichkeit, Anfälligkeit und möglichem Schadensausmaß einschätzen. Ein Beispiel ist die besondere Anfälligkeit komplexer, digital und global vernetzter Systeme, welche in einer vernetzten Wissenschaftsstadt wie Heidelberg eine große Rolle spielen. Auf der anderen Seite bringen Städte individuelle Stärken und Kapazitäten mit – durch die vorhandenen Kompetenzen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft hat Heidelberg große Handlungskapazitäten zur Bewältigung von Krisen und die Anpassung an deren Auswirkungen. Die Fähigkeit und Bereitschaft zum Lernen, zur Veränderung, zur kritischen Selbstreflexion und zur Reorganisation kommt Heidelberg zugute.
Stressfaktoren sind akute Ereignisse wie beispielsweise ein Starkregen oder können auch langsam fortschreitende Prozesse wie beispielsweise räumliche Polarisierung oder das Wohlergehen und die Gesundheit der Menschen sein. Das Zusammenleben und eine gesellschaftliche Stabilität sind wichtig für die robuste Stadt. Heidelberg fördert Gesundheit und Lebensqualität und ist Mitglied im „Gesunde Städte-Netzwerk Deutschland“. Für die städtische Gesellschaft sind in verstärktem Maße Bewegung, Spiel und Sport als effektive Gesundheitsvor- und nachsorge und damit als Beitrag zu einer „gesunden Stadt“ von sehr hoher Bedeutung.
Fragt man die Heidelbergerinnen und Heidelberger geben 95 Prozent der Befragten an, sich in Heidelberg wohlzufühlen (Heidelberg-Studie von 2023). Doch die Zahl derer, die sich „sehr wohl“ fühlen, ist deutlich zurückgegangen und seit 2020 bewerten die Befragten ihre eigene wirtschaftliche Lage kontinuierlich schlechter. Mit Blick auf die Zukunft geht die Mehrheit inzwischen davon aus, dass es den eigenen Kindern wirtschaftlich schlechter als ihnen selbst gehen wird. Heidelberg hat starke und gut in der Bevölkerung verankerte demokratische Strukturen. Das Interesse für Politik ist bei Heidelbergerinnen und Heidelbergern weiterhin hoch. Die Wahlbeteiligung bei Wahlen liegt in der Regel über dem Bundesdurchschnitt.
86 Prozent der Befragten interessieren sich mehrheitlich für Politik. Bei dem Interesse für Kommunalpolitik sind dies 75 Prozent. Etwa 90 Prozent bewerten Bürgerbeteiligung als wichtig.
Das bürgerschaftliche Engagement in Heidelberg ist hoch und schafft die Voraussetzungen für einen demokratischen und solidarischen Zusammenhalt. Es gibt aber auch Stadtviertel, in denen der nachbarschaftliche Zusammenhalt geringer ist. Oft fehlen den Menschen hier schlicht die individuellen Ressourcen, sich in der Nachbarschaft einzubringen.