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Tobias Schäfer (Foto: Stadt Heidelberg)
Tobias Schäfer
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
Gaisbergstraße 7 - 9
69115 Heidelberg

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Cluster 2

Freiraum Nutzung + Freiraum Schutz

Illustration Cluster 2

Der Stadtwald und das grüne Neckartal bilden eine weltweit berühmte Kulturlandschaft. Ihre vielfältige Natur bietet für alle Heidelberginnen und Heidelberger vor der Haustür Möglichkeiten zur Erholung und Freizeitgestaltung. Heidelberg verbindet Freiraumschutz und -entwicklung.  Gemeinsam mit den Nachbarkommunen werden die Grünzüge als verbindender und erlebbarer Landschaftsraum mit Neckar, Odenwald und Rheinebene erhalten mit Zugang aus allen Stadtteilen. Der Biotopverbund spielt eine wichtige Rolle, um Schutzgebiete zu vernetzen. Gleichzeitig wird das Gebiet der Metropolregion RheinNeckar für Landwirtschaft, Energieversorgung und technische Infrastrukturen benötigt. Um die Zerschneidung der Landschaft zu minimieren, setzt sich Heidelberg dafür ein, dass neue Schienenwege und Energiekorridore gebündelt neben bereits vorhandenen Infrastrukturtrassen verlaufen. 

Ausganslage: Wie ist die Situation in Heidelberg?

Heidelberg liegt idyllisch am Ausgang des Neckartals in die Rheinebene und ist umgeben von Wäldern. Bis heute ist das grüne Umland mit seinen Grünzügen, die in die Stadt hineinragen, ein unverzichtbarer Teil Heidelbergs.

Der Freiraum – planerisch gesprochen der Außenbereich jenseits der Siedlungsflächen aus dem Flächennutzungsplan (FNP) – ist in Heidelberg klar gegliedert. Heidelberg ist Teil des UNESCO Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald, seine Waldflächen sind Teil des Naturparks Neckartal-Odenwald. Die Landschaft wird geprägt durch den Neckar, der direkt in Heidelberg in die offene Rheinebene tritt und die Hänge des Odenwalds. Flächen mit besonderer Bedeutung für die Biodiversität, insbesondere für die Artenvielfalt,  durchziehen den Freiraum. Er ist zugleich Ort für Nutzungen, die im Siedlungsbereich nicht verträglich untergebracht werden können. Hierzu zählen z. B. Flächen für die Energieerzeugung, Umspannwerke oder Kläranlagen. Überregionale Großprojekte und regionale Maßnahmen, wie neue Strom-, Gas-, Güterbahn- und Straßenbahntrassen erheben ebenfalls Anspruch auf Flächen im Freiraum.

Rund 4.408 Hektar (40 Prozent) der Fläche Heidelbergs sind bewaldet (Stand 31.12.2023). Der Wald leidet unter dem Klimawandel (Hitzeschäden, Trockenheit). Im Zuge der Energiewende ist insbesondere der Beitrag des Waldes als Lieferant des nachwachsenden Rohstoffes Holz von großer Bedeutung. Auf den Höhen des Odenwalds in windreichen Gebieten sollen Standorte für Windkraftanlagen ausgewiesen werden. Seine wichtigsten Funktionen entfaltet der Wald als Erholungs-, Kultur- und Freizeitraum. Durch die multifunktionale Forstwirtschaft, die alle Säulen der Nachhaltigkeit berücksichtigt (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion), sollen diese Nutzungen in Einklang gebracht werden.

Die wertvollen Böden der offenen Rheinebene sind Garant für die Produktion hochwertiger lokaler Lebensmittel. Die Felder mit ihren ertragreichen Böden und den historischen Höfen machen das Heidelberger Landschaftsbild unverwechselbar. Es gibt funktionierende Wertschöpfungsketten für nachhaltig und regional produzierte landwirtschaftliche Erzeugnisse. Zugleich bedroht der Klimawandel durch Trockenheit und Extremwetter die Erträge und Erosion verlangt Veränderung in der Bewirtschaftung. Durch große überregionale Infrastrukturprojekte, wie Strom- oder Bahntrassen werden auch landwirtschaftliche Flächen in Anspruch genommen. Im Gegensatz zum Wald sind die Flächen in der Ebene, bis auf geschützte Offenlandbiotope, kaum naturschutzrechtlich geschützt.

Streuobstkulturen, Rebflächen und Gärten prägen die Hangkante und den Bereich zwischen der Siedlungsfläche und dem Wald. Der Siedlungsrand und der Wald wachsen immer näher aneinander. Einerseits durch Nutzungsaufgabe und Gehölzsukzession auf den Freiflächen, andererseits durch Bebauung. Der Waldsaum und die Übergangsbereiche stehen unter Druck. Mit seinen Ausblicken in die Ebene und der Vielfalt aus Kleingärten, Weinbergen, Trockenmauern oder Magerrasenflächen stellen die Hänge eine besondere Heidelberger Qualität dar und haben ökologisch großen Wert.

Das Neckartal wird intensiv und vielfältig genutzt. Am Altneckar finden sich einerseits einige der wertvollsten Natur- und Landschaftsschutzgebiete der Stadt. Hier kommt es zu Konflikten durch den hohen Freizeitdruck. Andererseits ist der Neckar als Bundeswasserstraße stark frequentiert. Der Neckar ist Barriere und Energiequelle zugleich: Wasserkraft wird bereits genutzt, zusätzlich wird Flusswärme zukünftig einen wichtigen Beitrag zur klimaneutralen Wärmeversorgung der Stadt leisten. Entlang der Neckarufer befinden sich Naherholungsflächen und touristische Attraktionen. Auch die angrenzenden Höhen mit Königsstuhl und Heiligenberg sind historisch bedeutende Orte und frequentierte Ausflugsziele. Die Lage der B 37 am Neckar stellt eine Herausforderung dar.

Wie ist die Zielsetzung?

Mit Blick in das Jahr 2035 soll die Symbiose eines produktiven Freiraums im Einklang mit Umwelt- und Naturschutz gelingen. Dabei ist der Schutz der natürlichen Ressourcen und der Erhalt der Biodiversität zentral – Heidelberg sichert und stärkt seine natürlichen Ökosysteme und entwickelt mehr Raum für Biodiversität. Die Verbindung der Schutzflächen in einen langfristig gesicherten Flächenbestand ist ein wichtiges Ziel. Ausgangspunkte dafür sind der Heidelberger Artenschutzplan, die kommunale Biotopverbundplanung und das Konzept „Erhaltung der Kulturlandschaft“. Hieran knüpfen Projekte der lokalen und regionalen Vernetzung sowie der Biotopflege an. Die Nutzung dieser Flächen für Freizeit, Land- oder Forstwirtschaft soll im Einklang mit dem Umwelt- und Naturschutz stehen. Besonders der Schutz von wertvollen Offenlandbiotopen in der Ebene soll ausgeweitet werden, weitere Kernflächen und Suchräume sollen anhand von Zielarten herausgearbeitet werden.

Die Landschaft ist ein wichtiger Erholungs-, Bewegungs-, Begegnungs- und Erlebnisraum für die Menschen der Stadt. Dafür wird Platz in der Kulturlandschaft mit all ihren unterschiedlichen Orten benötigt. Im Sinne des physisch und psychisch gesunden und aktiven Lebens in der Stadt soll diese Funktion gestärkt werden. Dabei ist Sensibilität gefragt – es gilt zu differenzieren in Orte, die quirlige und laute Nutzungen vertragen und solche, die ruhigen Nutzungen vorbehalten sein sollen. Nicht zuletzt braucht es Orte, die dem menschlichen Zugang und Einfluss so gut wie möglich entzogen werden und die Naturerlebnisse nur am Rand zulassen. Ein neues Konzept ist dabei der grüne Gürtel mit Grünzügen in die Stadt – es soll räumlich und programmatisch definiert und umgesetzt werden. Es denkt Schutz, Erholung und die Nutzung der Landschaft zusammen. Sowohl für den Umwelt- und Naturschutz, die Biotopverbundplanung wie auch für die Naherholung bietet es vielfältige Potenziale. Dabei spielen auch die attraktiven Aussichtspunkte in Heidelberg eine wichtige Rolle.

Der Freiraum wird in Zukunft einen stärkeren Beitrag zur Produktion von erneuerbaren Rohstoffen und Energien übernehmen. Die Höhen im Odenwald bieten eine ausreichende Windhöffigkeit für die Windenergieproduktion, die in verträglichem Maß und im Einklang mit Natur- und Artenschutz genutzt werden soll. Die Landschaft in der Ebene bietet weiteres Potenzial für Energieproduktion. Photovoltaik-Anlagen sollen nicht großflächig auf hochwertigen Ackerflächen, sondern auf Gebäuden und in Anlehnung an bauliche Strukturen (wie z. B. die Autobahn) entstehen. Weitere Energiequellen sollen genutzt werden (z. B. Flusswärme, Geothermie). Trassen für die Energieinfrastruktur sollen gebündelt und in die Landschaft eingebettet werden. Entlang von Trassen können neue Wegeverbindungen wie auch Freiraumnutzungen entstehen.

Auch in Zukunft ist Heidelberg eine Kommune, die einen nennenswerten Anteil ihrer Lebensmittel für die Versorgung der Bevölkerung lokal produziert, verarbeitet und vermarktet. Die Landwirtschaft wird erhalten, wertvolle Böden werden langfristig gesichert. Mit Blick auf überregionale Infrastrukturprojekte, wie Strom- oder Bahntrassen, ringt Heidelberg gemeinsam mit seinen Nachbarn um den Schutz wertvoller Freiflächen und um Lösungen mit dem geringsten Eingriff in die Freiflächen.

Die Ziele im Überblick:

Räumliche Entwicklung

Karte Cluster 2

Das Stadtentwicklungskonzept ist eng mit der kommunalen Biotopverbundplanung verknüpft; die Inhalte beider Planwerke sind aufeinander abgestimmt.

Im Rahmen der Biotopverbundplanung werden unter anderem zentrale Schwerpunktbereiche für Maßnahmen sowie bedeutende Verbundachsen identifiziert.

Wege zum Ziel

Fachliche Vertiefung

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