Konversionsfläche neue Südstadt feiert Jubiläum
Mark-Twain-Village und Campbell Barracks seit zehn Jahren in der Entwicklung
Die Konversionsfläche neue Südstadt – bestehend aus dem Mark-Twain-Village und den Campbell Barracks – feiert ihr Jubiläum: Die früheren US-Militärflächen auf beiden Seiten der Römerstraße im Stadtteil Südstadt wurden vor zehn Jahren von der Stadt Heidelberg und ihren Partnern übernommen, die diese gemeinsam entwickeln. Über Förderungen von Bund und Land hat die Stadt Heidelberg seit Start der Entwicklung der 44 Hektar großen Konversionsfläche 22,83 Millionen Euro erhalten.
Die neu entwickelten Flächen der Südstadt sind heute lebendige und junge Quartiere mit rund 2.800 Bewohnerinnen und Bewohnern, sieben Kindertagesstätten, drei neuen Spielplätzen und
-anlagen, dem Bürgerhaus in der Chapel, einem Park, einer aktiven Kulturszene und vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten. Im zehnten Jahr nach Baustart sind das Mark-Twain-Village und die Campbell Barracks unter Federführung der städtischen Konversionsgesellschaft und in Zusammenarbeit mit den städtischen Fachämtern zu rund drei Vierteln fertiggestellt.
„Die neue Südstadt – was für eine Entwicklung! Wo früher das Militär aufmarschierte, ist heute das echte Leben zu Hause. Dass aus einer ehemaligen Konversionsfläche ein so lebendiger, vielfältiger und lebenswerter Stadtteil entstehen konnte, erfüllt mich mit großer Freude und auch mit Stolz. Von Beginn an waren harte Arbeit, Ausdauer und das Engagement vieler Beteiligter notwendig, um diese Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen. Heute sehen wir, was möglich ist, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagte Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck bei einem Pressetermin am Mittwoch, 4. März 2026, im Eddy-House in der Südstadt.
Wie fing alles an?
Als das US-Militär im Jahr 2013 aus Heidelberg abzog, erhielt die Stadt die Jahrhundertchance, große innenstadtnahe Flächen zu entwickeln, darunter rund 44 Hektar in der Südstadt. Bereits im Jahr 2014 wurde der Masterplan Südstadt mit den Planungen für die Nutzung des neuen Quartiers beschlossen. Auf Basis dieser Pläne starteten die Ankaufsverhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Im August 2015 kam der Kaufvertrag zustande, am 1. Januar 2016 gingen die Flächen offiziell in den Besitz der Stadt sowie deren Gesellschaften und Partner über – ein Meilenstein für Heidelberg. Das wurde gefeiert: am 11. Januar 2016 bei einem Bürgerfest mit rund 12.000 Gästen.
Bereits im Spätsommer 2016 zogen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in die ersten 80 Mietwohnungen in den elf Bestandsgebäuden östlich der Römerstraße zwischen Rhein- und Sickingenstraße.
Eine der ersten Maßnahmen betraf die Julius-Springer-Schule. Im Sommer 2015 beschloss der Gemeinderat, die ehemalige Mark-Twain-Schule zu renovieren, die in den 1950er Jahren gebaut und über die Jahre erweitert wurde. Die Julius-Springer-Schule zog im Jahr 2017 in die ehemalige High School und frühere Elementary School. Heute besuchen diese 1.200 Berufsschülerinnen und -schüler.
Bei der Entwicklung der Konversionsfläche nahm die Bürgerbeteiligung eine zentrale Rolle ein. Insgesamt 39 Veranstaltungen, teils mit mehreren Formaten, fanden im Laufe der Jahre statt, die erste bereits im Jahr 2012. Dazu zählten etwa Bürgerforen, Arbeitskreise, Rundgänge sowie Kinder- und Jugendbeteiligungen mit zahlreichen Beteiligten aller Altersklassen.
Städtebauförderung in Höhe von 22,83 Millionen Euro
Die Entwicklung der Konversionsfläche in der Südstadt wurde maßgeblich durch die starke Unterstützung von Bund und Land ermöglicht. Insgesamt flossen 22,83 Millionen Euro aus verschiedenen Förderprogrammen – eine finanzielle Grundlage, ohne die die nachhaltige Stärkung und Weiterentwicklung nicht möglich gewesen wäre. Allein 10,88 Millionen Euro flossen über die Programme „Stadtumbau West“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ in die städtebauliche Erneuerung. Weitere 1,85 Millionen Euro aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ stärkten mit dem Bürgerzentrum Südstadt („Chapel“) das soziale Miteinander. Auch Projekte mit überregionaler Strahlkraft wie „Der Andere Park“ (5,9 Millionen Euro) sowie Investitionen in Schule und Sport wurden durch die Fördermittel entscheidend vorangebracht.
Wer macht was?
Die Entwicklungsgesellschaft Campbell Barracks mbH, eine Projektgesellschaft der Konversionsgesellschaft Heidelberg mbH, übernahm wesentliche Flächen der historischen Campbell Barracks und die zukünftigen Erschließungsflächen, mit der Aufgabe der Vermarktung des Areals und dem Bau neuer Straßen. Für die Planungen der Konversionsfläche – unter anderem deren Nutzungskonzept, den Masterplan, Bebauungspläne, Detailplanungen und Beratungen – waren die städtischen Fachämter in Kooperation mit allen Beteiligten zuständig.
Die MTV Bauen & Wohnen GmbH & Co. KG übernahm etwa 14,2 Hektar der Konversionsfläche auf dem Gelände des Mark-Twain-Village (MTV). Das Konsortium, bestehend aus der Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg (GGH), der Baugenossenschaft Familienheim Heidelberg eG, der Baugenossenschaft Neu Heidelberg eG, der Volksbank Heidelberg-Neckartal eG sowie der Konversionsgesellschaft Heidelberg, baut und renoviert 1.200 der insgesamt 1.500 Wohnungen in der neuen Südstadt.
Neue Südstadtquartiere heute: Zuhause für 2.800 Menschen
Zehn Jahre nach der Übergabe der Flächen vom Bund sind dort rund 2.800 Menschen zu Hause. Etwa die Hälfte der neuen Bewohnerinnen und Bewohner zog aus dem Heidelberger Stadtgebiet ins neue Quartier. Rund jede dritte Person ist unter 18 Jahren alt.
Mit sieben Kindertagesstätten, die insgesamt 175 Krippen- und 350 Kindergartenplätze bieten, sowie acht Plätzen in der Kindertagespflege ist die Betreuungssituation für Familien hervorragend. Zudem gibt es großzügige Spiel- und Freiflächen, darunter die Mark-Twain-Spielelandschaft mit ihrem Spieldorf, einem Wasserspielplatz und einer Skatebowl. Die Chapel als Bürgerzentrum sowie der Karlstorbahnhof und das Mark-Twain-Center bieten kulturelle und soziale Angebote und tragen zur Lebendigkeit des Quartiers bei.
Fast jede dritte neugebaute Wohnung in Heidelberg liegt hier
Seit dem Jahr 2018 sind in den neuen Südstadtquartieren rund 1.100 Wohnungen im Neubau und im Bestand geschaffen worden, insgesamt sollen hier 1.500 Wohnungen entstehen. 40 Prozent der 1.500 Wohnungen sind gemäß dem wohnungspolitischen Konzept als geförderter Wohnraum vorgesehen. 30 Prozent der Wohnungen sind als Eigentumswohnungen für Schwellenhaushalte vorgesehen. Weitere 30 Prozent werden auf dem freien Markt angeboten.
Zum Wohnungsangebot gehören auch zwei Ausbildungshäuser mit 134 möblierten Studios sowie ein Fachkräftehaus mit 68 möblierten Zimmern, die Heidelberger Unternehmen für ihre Mitarbeitenden mieten können, betrieben durch die Heidelberger Dienste. Dazu gibt es sechs gemeinschaftlich organisierte Wohnprojekte, in denen fast 400 Erwachsene und Kinder zusammenleben.
Die Konversionsfläche Südstadt trägt wesentlich zum Wohnungswachstum in Heidelberg bei:
Von 2020 bis 2024 entstanden in Heidelberg insgesamt 2.800 neue Wohnungen. Etwa 800 davon – also rund 30 Prozent oder fast dritte Wohnung – befinden sich dort.
Gewerbe und Kultur
Wirtschaftlich entwickelt sich die neue Südstadt ebenfalls dynamisch. In unmittelbarer Nähe zum Karlstorbahnhof eröffnete im April 2025 in den ehemaligen Stallungen das Kultur- und Kreativwirtschaftszentrum MARLENE 42. Auf insgesamt 3.000 Quadratmetern entstanden dort neue Gewerbeflächen für Start-ups, kleine Unternehmen und soziale Einrichtungen. Zahlreiche weitere gewerbliche Nutzungen sind um den Marlene-Dietrich- und den Paradeplatz sowie in den Erdgeschosszonen in der Römer- und Rheinstraße entstanden.
Neues Grün: 503 Baumpflanzungen
Im Zuge der Entwicklung hat die Konversionsfläche viel neues Grün erhalten: Die Stadt Heidelberg hat entlang der Straßen und in den öffentlichen Freiräumen insgesamt 503 neue Bäume gepflanzt: 138 Bäume allein im ersten Bauabschnitt des größten Freiraumprojekts „Der Andere Park“ mit dem Bürgerpark beim Mark-Twain-Center, Spielewelt am Checkpoint und Common Ground. Gleich dahinter: der Paradeplatz mit 57 neue Bäumen und der Marlene-Dietrich-Platz mit 32 jungen Bäumen. Rund 250 neue Bäume verschiedener Sorten wie Winterlinden, Feldahorne und Amberbäume wachsen heute entlang der Straßen. Insgesamt recken im „Anderen Park“ rund 250 Bäume (davon 112 Bestandsbäume) ihre Äste in die Höhe. Am denkmalgeschützten Paradeplatz gibt es heute 70 Bäume, darunter 13 alte Kastanien.
Weitere 40 Bäume folgen in verschiedenen Straßen. Acht rund 30 Jahre alte
Großbäume wurden im Januar 2024 von der Sickingen- an die Römerstraße verpflanzt.
Ausblick: Neue Flächen für Wohnen und Gewerbe
Entlang der John-Zenger- und Eleonore-Sterling-Straße errichtet die MTV Bauen und Wohnen GmbH & Co. KG (MTV) im Quartier MTV-West derzeit 122 Wohnungen. Nach Abschluss der Rohbauarbeiten wurde Anfang Februar 2026 das Richtfest gefeiert, die Fertigstellung ist bis Frühjahr 2027 geplant. 68 Wohnungen entstehen als Mietwohnungen für Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen, 54 Einheiten werden frei finanziert und zum Verkauf angeboten. Die Wohnungsgrößen reichen von kompakten Zwei-Zimmer-Wohnungen bis zu großzügigen Familienwohnungen. Alle sind barrierefrei erreichbar und verfügen über eine Freifläche, einen Balkon oder eine Dachterrasse. Ergänzt wird das Projekt durch rund 1.100 Quadratmeter Gewerbefläche. Die Gebäude werden energieeffizient errichtet, an die Fernwärme angeschlossen und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Das Vorhaben ist Teil der Entwicklung des Mark-Twain-Village, in dem die MTV bereits rund 780 Wohnungen realisiert hat. Insgesamt entstehen dort etwa 1.200 Wohneinheiten sowie Gewerbe und soziale Einrichtungen.
Am Sickingenplatz werden in den nächsten Jahren weitere Wohnungen errichtet. Auf einem Baufeld (E11) entstehen voraussichtlich bis Ende 2027 insgesamt 120 neue Wohnungen für Familien und Singles, hinzu kommen zwei Gewerbeeinheiten. Das benachbarte Baufeld (D11) befindet sich derzeit in der Projektierung. Dort sollen rund 108 weitere Wohnungen gebaut werden.
Auf den Campbell Barracks sind mittlerweile 200 Wohnungen sowie ein Großteil der insgesamt geplanten 60.000 Quadratmeter Gewerbeflächen entstanden. Im Straßenbau geht die Erschließung in den Endspurt: 2025 wurden die Rad- und Fußwegverbindung Clara-Immerwahr-Straße und die Adelheid-Steinmann-Straße sowie die Arbeiten an der Eleonore-Sterling- und Roeblingstraße beendet.
Der Ausbau der Emil-Gumbel-Straße startete am 2. März 2026. Zusammen mit der Frieda-Fromm-Reichmann-Straße werden die letzten Bestandsstraßen erneuert und an die neuen Nutzungen angepasst. Für die Rheinstraße liegt eine Planung vor, deren Beschluss zur Umsetzung allerdings noch aussteht: Dort soll künftig ein besonderer Schwerpunkt auf dem Fußverkehr und dem sicheren Queren der Straße liegen, damit die neue Stadtteilmitte samt ihren vielfältigen Nutzungen komfortabel und barrierefrei erreichbar ist. Des Weiteren ist beabsichtigt, auch die Römerstraße im Bereich zwischen Rheinstraße und Saarstraße im Zuge der Konversionsmaßnahme zu erneuern, um den „Brückenschlag“ zum neuen Stadtquartier zu verbessern.
Hintergrund: früheres Hauptquartier des US-Militärs in Europa
Die Konversionsflächen Campbell Barracks und Mark-Twain-Village umfassen mit rund 44 Hektar etwa ein Drittel der Fläche der Heidelberger Südstadt. Die Rückgabe der Flächen von den US-Streitkräften an die BImA erfolgte in fünf Teilstücken in den Jahren 2012 (MTV-Ost und Sickingen Platz/MTV Süd) und 2013 (MTV-Nord, MTV-West und Campbell Barracks).
Die historische Bausubstanz der Campbell Barracks gehört zur ehemaligen Großdeutschland-Kaserne, die 1936/37 errichtet wurde. Im Jahr 1945 wurde sie von den Amerikanern übernommen. Die Umbenennung der Kaserne erfolgte im August 1948 in Erinnerung an Charles L. Campbell, der im März 1945 in Mannheim gefallen war. Für das Militär hatten die Campbell Barracks immer eine hohe Bedeutung. Dort befand sich unter anderem das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa.
Die Bauarbeiten für das Mark-Twain-Village begannen im Jahr 1948. Neben Wohnanlagen entstanden dort vielfältige Einrichtungen im sozialen und kulturellen Bereich: Schulen, Kindergärten, Sportanlagen und eine Kirche. Die bis Juni 2013 bestehende Heidelberg High School war die einzige weiterführende Schule für Angehörige von Soldaten der US-Streitkräfte in der weiteren Umgebung. Die Schülerinnen und Schüler kamen überwiegend aus dem Mark-Twain-Village und dem Patrick-Henry-Village.
Ergänzend: Mehr zum Jubiläum der neuen Südstadt gibt es online unter www.heidelberg.de/neuesuedstadt – Porträts, Neuigkeiten und Hintergründe, Bildergalerien und Quiz mit Gewinnspiel. Die Webseite wird im Laufe des Jahres kontinuierlich mit neuen Inhalten bestückt.
Pressemitteilung, Meilensteine, Grafik über die Städtebauförderung und viele Fotos sind online zum Download erhältlich.
