Konversionsfläche Südstadt wird zehn Jahre alt
1.100 Wohnungen seit 2018 / Weiterer Wohnraum entsteht / Tag der Städtebauförderung am 9. Mai
Die Konversionsfläche neue Südstadt – bestehend aus dem Mark-Twain-Village und den Campbell Barracks – feiert ihren zehnten Geburtstag. Mit 44 Hektar macht die frühere US-Militärfläche ein Drittel des gesamten Stadtteils Südstadt aus. Seit dem Jahr 2016 wächst dort auf beiden Seiten der Römerstraße ein Quartier, das Wohnen, Arbeiten und Freizeit verbindet. Kultur- und Naturorte eröffnen Räume für Austausch, Begegnung und Teilhabe. Die neue Südstadt, in der mittlerweile 2.800 Menschen zu Hause sind, ist ein Stadtteil der kurzen Wege von der Wohnung zum Kindergarten, zum Einkaufen, zur Arbeit und zum ÖPNV. Bei einer Radtour durch das Quartier am Montag, 13. April 2026, haben Oberbürgermeister Eckart Würzner und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck die Konversionsfläche besucht.
„Wenn wir heute auf die Entwicklung der ehemaligen US-Fläche Mark-Twain-Village/Campbell Barracks blicken, können wir wirklich zufrieden sein: Seit der Übergabe in den Besitz der Stadt im Jahr 2016 hat sich hier über ein Jahrzehnt Enormes getan. Aus einer abgeschlossenen militärischen Fläche ist ein offener, lebendiger Stadtteil geworden, der sich Schritt für Schritt mit Leben gefüllt hat. Besonders freut mich, dass wir seit 2018 rund 1.100 Wohnungen schaffen konnten – ein wichtiger Beitrag für mehr Wohnraum. Dieses Projekt ist ein starkes Beispiel dafür, wie wichtig Konversionsflächen für die Entwicklung unserer Stadt sind – und es macht Mut und Vorfreude auf die weitere Entwicklung der anderen Flächen in der Zukunft“, sagte Oberbürgermeister Eckart Würzner.
„Was diesen Stadtteil so besonders macht, ist der gelungene Mix: Wir haben hier nicht ausschließlich auf Neubau gesetzt, sondern viele der historischen Gebäude behutsam saniert und in eine neue Nutzung überführt. Zusammen mit modernen Wohngebäuden ist so eine spannende, vielfältige Struktur entstanden. Ein echtes Highlight ist dabei ,Der Andere Park‘, der sich wie ein grünes Band durch das Quartier zieht und alles miteinander verbindet. So ist in den letzten Jahren ein lebendiger Stadtteil gewachsen, in dem heute rund 2.800 Menschen leben – ein Stadtteil der kurzen Wege, in dem sich gerade auch Familien besonders wohlfühlen und der eine ganz eigene Identität mit hoher Lebensqualität entwickelt hat“, erklärte Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck.
Neue Südstadt: einer der stärksten Wohnraumlieferanten
Die Konversionsfläche neue Südstadt ist ein zentraler Baustein der Heidelberger Wohnraumentwicklung: Von 2018 bis 2025 entstanden hier rund 1.100 Wohnungen im Neubau und im Bestand. Rund die Hälfte (531 Wohnungen) ist geförderter Wohnraum. Etwa 40 Prozent aller Wohnungen verfügen über vier oder mehr Räume und sind besonders familienfreundlich. Zum Wohnungsangebot zählen außerdem zwei Ausbildungshäuser mit zusammen 134 möblierten Studios sowie ein Fachkräftehaus mit 68 möblierten Zimmern für Mitarbeitende Heidelberger Unternehmen. In sechs gemeinschaftlich organisierten Wohnprojekten leben fast 400 Erwachsene und Kinder zusammen.
Insgesamt sind auf der Konversionsfläche etwa 1.500 Wohnungen geplant. Das wohnungspolitische Konzept sieht im Mark-Twain-Village vor, 40 Prozent als geförderten Wohnraum, 30 Prozent als Eigentum für Schwellenhaushalte und weitere 30 Prozent auf dem freien Markt anzubieten.
Die Bevölkerung wächst stetig: Ende 2025 lebten dort knapp 2.800 Menschen. Rund die Hälfte der Zuzüge (48,7 Prozent) erfolgte aus dem Heidelberger Stadtgebiet. Gleichzeitig besteht mit rund 300 bereits genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen ein Bauüberhang, der in Zukunft weiteren neuen Wohnraum schafft.
Städtebauförderung in Höhe von 22,83 Millionen Euro
Die Entwicklung der Konversionsfläche in der Südstadt wurde maßgeblich durch Fördermittel von Bund und Land unterstützt: Insgesamt wurden 22,83 Millionen Euro aus verschiedenen Programmen für das Quartier bewilligt und bilden somit eine wesentliche Grundlage für dessen nachhaltige Weiterentwicklung. Ein großer Teil (10,88 Millionen Euro) wurde über die Programme „Stadtumbau West“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ für städtebauliche Maßnahmen eingesetzt. Weitere 1,85 Millionen Euro aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ kamen der Chapel zugute und stärken das soziale Miteinander. Auch Projekte wie „Der Andere Park“, für den 5,9 Millionen Euro bereitgestellt wurden, sowie Investitionen in Schule und Sport wurden durch die Fördermittel umgesetzt und vorangebracht.
Auch dieses Jahr feiern die Stadtverwaltung und viele Beteiligte aus dem Quartier wieder den Tag der Städtebauförderung. Am Samstag, 9. Mai 2026, findet von 11 bis 17 Uhr ein abwechslungsreiches Programm für Groß und Klein auf der ganzen Konversionsfläche statt.
Baufortschritte und Projekte (in Reihenfolge der angebotenen Radtour):
1. Parkplatz Julius-Springer-Schule/OASIS
Die Julius-Springer-Schule war eines der ersten großen Projekte und setzte früh ein sichtbares Zeichen für die neue Nutzung des Mark-Twain-Village. Bereits 2015 beschloss der Gemeinderat, die frühere Mark-Twain-Schule aus den 50er Jahren zu sanieren und für eine berufliche Schule umzunutzen. Die Sanierung startete 2016 und kostete rund 13,6 Millionen Euro. Dabei wurden die bestehenden Gebäude – darunter die ehemalige High School und Elementary School – umfassend modernisiert, technisch erneuert und barrierefrei umgebaut. Im September 2017 nahm die Julius-Springer-Schule den Betrieb auf. Heute stehen dort rund 10.000 Quadratmeter Unterrichtsfläche für etwa 1.200 Berufsschülerinnen und -schüler zur Verfügung.
An der Julius-Springer-Schule wurden im Sommer 2024 rund 300 Quadratmeter Asphaltfläche auf dem Schulparkplatz und im Schulhof entsiegelt. 29 neue Bäume und drei Großsträucher wachsen nun dort. Neue Blühwiesen bieten unterschiedlichen Insektenarten einen Lebensraum. Der Schulhof wird durch zwei Sandbeete mit hitzeverträglichen Stauden aufgewertet. Die Maßnahme kostete insgesamt 225.000 Euro, wobei der Bund diese mit rund 172.000 Euro in Form des KfW-Programms „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ förderte. Die Maßnahme ist Teil des OASIS-Projekts der Stadt Heidelberg. Dessen Ziel ist es, mithilfe eines höheren Grünanteils das innerstädtische Klima zu verbessern.
2. Rheinstraße – Konzept der neuen Mitte und Gewerbe
Für die neue Stadtteilmitte entlang der Rheinstraße zwischen Roebling- und Kirschgartenstraße wurde ein Freiflächenkonzept entwickelt. Gemeinsam mit dem Anderen Park und der ehemaligen Chapel dient dieser Bereich als Bindeglied zwischen der bestehenden Südstadt und dem neuen Quartier. Ziel der Planung war es, den öffentlichen, etwa 14 Meter breiten Raum zwischen den geplanten Gebäuden und der Fahrbahn als lebendige, urbane Stadtterrasse aufzuwerten. Dabei entstand eine Aufenthaltsfläche mit sieben öffentlichen Sitz- und Spielmöglichkeiten unter den bestehenden Bäumen, die gleichzeitig ausreichend Raum zum Flanieren und Verweilen bietet. Außensitzbereiche von Gastronomie und Einzelhandel sind ebenfalls vorhanden.
Die MTV Bauen und Wohnen GmbH & Co. KG (MTV) bietet in der neuen Südstadt insgesamt 34 Gewerbeflächen an, von denen alle Flächen vermietet oder verkauft sind. Die Größe der Einheiten variiert zwischen 57 und 285 Quadratmetern. Der Großteil der gewerblichen Flächen ist entlang der Römerstraße und dem Nahversorgungszentrum zu finden. Dazu kommen zwei Kindergärten, die bereits vermietet und in Betrieb sind. Auf MTV West befinden sich aktuell zwei weitere Gewerbeeinheiten und ein Kindergarten im Bau. Auf den Baugrundstücken entlang der Sickingenstraße entstehen abschnittsweise bis 2028 weitere drei Gewerbeflächen.
3. Wohngebäude östlich der Römerstraße (MTV Süd-Ost)
Am 1. Januar 2016 gingen die Konversionsflächen in den Besitz der Stadt und deren Gesellschaften und Partner über. Bereits im Spätsommer 2016 zogen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in die 80 Mietwohnungen in den elf Bestandsgebäuden östlich der Römerstraße zwischen Rhein- und Sickingenstraße. Auch Carmen Dudenhöffer, ihr Partner Marcel Koch und die Kinder Luca, Maria und Julien gehörten dazu. Die fünfköpfige Familie bezog am 2. August 2016 ihre Wohnung in der ehemaligen US-Wohnsiedlung Mark-Twain-Village. Sie zählen damit zu den ersten Mietenden im neuen Stadtquartier. Oberbürgermeister Eckart Würzner besuchte die Familie bereits bei einem Pressetermin im September 2016. Zehn Jahre später ist er anlässlich des Jubiläums wieder vor Ort. Die Familie ist weiterhin in derselben Wohnung in der Südstadt zu Hause, Marcel Koch arbeitet in der Gastronomie des Karlstorbahnhofs.
4. Bürgerzentrum in der Chapel
Die Chapel in der Rheinstraße ist das Bürgerzentrum der Südstadt. Drei Räume, darunter ein großer Saal, können gemietet werden. Die Fäden dafür hält der Trägerverein „CHAPEL Raum für Stadtkultur“ in der Hand, der Ansprechpartner für die Vermietung und den Betrieb der Chapel ist. Zum Trägerverein gehören der Stadtteilverein Südstadt und Caritasverband Heidelberg sowie die Vereine effata Eine-Welt-Kreis und formAD. Die Chapel wurde 1951 als Kirche für das Headquarter und Mark-Twain-Village der US-Streitkräfte für die Angehörigen verschiedener Konfessionen als gemeinsames Gotteshaus errichtet. Bei der im Dezember 2017 begonnenen Baumaßnahme fielen umfangreiche Sanierungsarbeiten an.
5. Gemeinschaftliches Wohnprojekt „paraSol“
Das Wohnprojekt „paraSol“ in der Südstadt steht exemplarisch für den Trend zum gemeinschaftlichen Wohnen. Auf einem rund 3.300 Quadratmeter großen Grundstück entsteht ein selbstverwaltetes Haus mit Platz für etwa 30 bis 35 Erwachsene sowie 10 bis 20 Kinder. Vorgesehen sind unterschiedliche Wohnformen wie Familienwohnungen, WGs und sogenannte Clusterwohnungen, die privates Wohnen mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen verbinden. Insgesamt stehen rund 3.000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Die gewerbliche Nutzung des Gebäudes umfasst vier Bereiche: Räume für soziale Vereine, einen gemeinnützigen Kultur- und Begegnungsort mit Café, FoodCoop und Makerspace, Flächen für Kreativgewerbe sowie flexibel nutzbare Büroflächen – etwa für Werkstätten, ein Café oder Räume für Initiativen aus dem Stadtteil. Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig ein lebendiges, solidarisches Miteinander zu fördern.
Gemeinschaftliches Wohnen gewinnt in Heidelberg insgesamt immer mehr an Bedeutung. Aktuell gibt es zwölf Wohnprojekte, zwei weitere Baugruppen befinden sich im Planungsprozess. Besonders auffällig ist die Konzentration in der neuen Südstadt: Allein dort befinden sich sechs Projekte – also rund die Hälfte aller gemeinschaftlichen Wohnprojekte in Heidelberg –, in denen mehr als 400 Erwachsene und Kinder zusammenleben.
6. Straßenausbau
Der Straßenausbau im Quartier befindet sich in der abschließenden Phase. Mit dem Beginn der Bauarbeiten in der Emil-Gumbel-Straße im März 2026 und anschließend in der Frieda-Fromm-Reichmann-Straße werden nun die letzten Bestandsstraßen auf den Campbell Barracks erneuert.
Darüber hinaus sind weitere Maßnahmen vorgesehen: Für die Rheinstraße liegt eine Planung vor, deren Baumaßnahme noch in diesem Jahr starten soll, wobei insbesondere der Fußverkehr sowie sichere Querungsmöglichkeiten im Fokus stehen, um die neue Stadtteilmitte komfortabel und barrierefrei erreichbar zu machen. Ergänzend ist geplant, auch die Römerstraße im Abschnitt zwischen Rhein- und Saarstraße umzubauen, um die Anbindung zwischen beiden Teilen der Südstadt weiter zu verbessern.
7. Wohnen: Quartier MTV-West (Ecke Eleonore-Sterling-Straße/John-Zenger-Straße)
Entlang der John-Zenger- und Eleonore-Sterling-Straße errichtet die MTV im Quartier MTV-West derzeit 122 Wohnungen. Nach Abschluss der Rohbauarbeiten wurde im Februar 2026 das Richtfest gefeiert, die Fertigstellung ist bis Frühjahr 2027 geplant. 68 Wohnungen entstehen als Mietwohnungen für Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen, 54 Einheiten werden frei finanziert und zum Verkauf angeboten. Die Wohnungsgrößen reichen von kompakten Zwei-Zimmer-Wohnungen bis zu großzügigen Familienwohnungen. Alle sind barrierefrei erreichbar und verfügen über eine Freifläche, einen Balkon oder eine Dachterrasse. Ergänzt wird das Projekt durch rund 1.100 Quadratmeter Gewerbefläche. Die Gebäude werden energieeffizient errichtet, an die Fernwärme angeschlossen und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Das Vorhaben ist Teil der Entwicklung des Mark-Twain-Village, in dem die MTV bereits rund 780 Wohnungen realisiert hat. Insgesamt entstehen dort etwa 1.200 Wohneinheiten sowie Gewerbe und soziale Einrichtungen.
Am Sickingenplatz werden weitere Wohnungen errichtet: Auf einem Baufeld (E11) entstehen voraussichtlich bis Ende 2027 insgesamt 120 neue Wohnungen für Familien und Singles, hinzu kommen zwei Gewerbeeinheiten. Das benachbarte Baufeld (D11) befindet sich in der Projektierung. Dort sollen rund 110 weitere Wohnungen und eine Gewerbeeinheit gebaut werden.
8. „Der Andere Park“ / Baumpflanzungen
„Der Andere Park“ ist das grüne Herz des Quartiers. Eröffnet im Mai 2022 auf rund sieben Hektar, verweist der Name auf das besondere Konzept: Es handelt sich nicht um eine abgegrenzte Fläche, sondern um mehrere, miteinander verbundene Freiräume, die in Beziehung zueinanderstehen. Der Park dient als vielfältiger Ort der Begegnung mit Spiel-, Veranstaltungs- und Grünflächen. Das durch die Internationale Bauausstellung (IBA) unterstützte Projekt verknüpft zentrale Einrichtungen wie den Karlstorbahnhof, das Mark Twain Center, das Kreativwirtschaftszentrum Marlene 42 und das Bürgerzentrum in der ehemaligen Chapel. Historische Elemente erinnern an die frühere militärische Nutzung. Gefördert wurde das Projekt mit 5,9 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. 2024 erhielt „Der Andere Park“ einen Anerkennungspreis beim Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg.
Prägend ist die intensive Begrünung: Im Park wachsen rund 250 Bäume, darunter 112 Bestandsbäume und 138 neu gepflanzte. Insgesamt wurden im Quartier 503 neue Bäume gesetzt, ergänzt durch etwa 250 Straßenbäume verschiedener Arten, unter anderem in der Elsa-Brändström- und John-Zenger-Straße. Auch der Marlene-Dietrich-Platz trägt mit 32 jungen Bäumen zur grünen Struktur bei. Ein besonderes Beispiel für nachhaltigen Umgang mit Baumbestand ist die Verpflanzung von acht rund 30 Jahre alten Großbäumen im Januar 2024 von der Sickingenstraße an die Römerstraße.
9. Kinderstadtteilplan
Im Quartier stehen mit der Spielelandschaft und „Der Andere Park“ bereits wichtige Orte für Kinder zum Spielen und Toben zur Verfügung. Aktuell erarbeitet die Kinder- und Jugendbeteiligung gemeinsam mit Kindern aus dem Stadtteil einen Kinderstadtteilplan. Dieser soll die Perspektiven der jüngsten Bewohnerinnen und Bewohner aufzeigen. Am Tag der Städtebauförderung am Samstag, 9. Mai 2026, sind alle eingeladen, den Plan aktiv mitzugestalten.
Ergänzend: Mehr zum Jubiläum der neuen Südstadt unter www.heidelberg.de/neuesuedstadt – Porträts, Neuigkeiten und Hintergründe, Bildergalerien und Quiz mit Gewinnspiel. Die Webseite wird im Laufe des Jahres kontinuierlich mit neuen Inhalten bestückt.


