Bühne frei für Humor
Wenn Comedy mehr will als Applaus
Martin Müller ist ein Booker der leisen, aber nachhaltigen Wirkung. In den 90er Jahren kam er wegen seines Studiums der Politikwissenschaften und Ethnologie nach Heidelberg – und blieb der Kultur wegen. Schon früh war klar: Müller interessiert sich weniger für das Rampenlicht als für das, was dahinter entsteht. Seit über 20 Jahren ist er mit dem Kulturzentrum Karlstorbahnhof (KTB) verbunden, begann dort als Werkstudent und übernahm im Lauf der Zeit immer mehr Verantwortung. Ein Kind der frühen Stunde des Kulturzentrums
Als Programmleiter des Karlstorbahnhofs, eine Position, die er seit 22 Jahren innehat, kuratiert Müller ein bewusst vielfältiges Programm aus Musik, Comedy und Literatur. Parallel ist er unter anderem regelmäßig als Dozent an der Popakademie Mannheim tätig, immer mit dem Blick für Entwicklung statt schnellen Erfolges.
„Uns ging es nie darum, fertige Stars zu zeigen, sondern Wege zu begleiten“ sagt Müller
Viele Künstlerinnen und Künstler verdanken dem KTB ihre ersten großen Auftritte – und kehren später zurück, weil sie wissen, wo sie gewachsen sind.
Provokation ja - Abwertung nein!
Dabei folgt das Festival einer klaren Haltung: Provokation ja, Abwertung nein. Müllers goldene Regel lautet: kein Nach-unten-Treten. Ausgrenzung und Diskriminierung werden nicht toleriert. Gerade in Zeiten, in denen viel negativer Input auf die Menschen einprasselt, versteht Müller Humor als Grundversorgung. Comedy gibt Hoffnung, schafft Raum zum Nachdenken und setzt neue Impulse. Oder wie er es formuliert: „Lachen kann entlasten – und gleichzeitig etwas in Bewegung bringen.“
Diese Haltung prägt auch das Festival Carambolage, das Müller seit fast zwei Jahrzehnten verantwortet. 2003 gestartet, ist Carambolage heute weit mehr als ein klassisches Kabarettfestival. Jeden Januar – und darüber hinaus bei zahlreichen Veranstaltungen im Jahr – bietet es einer Mischung aus größeren Namen und unbekannteren Künstlerinnen und Künstler eine Bühne. Humor wird hier als Kunstform verstanden, nicht als bloßer Gag-Lieferant. Comedy und Kabarett sind politisch, unbequem, manchmal sperrig – und genau deshalb wichtig. „Comedy ist ein gesellschaftliches und politisches Sprachrohr“, so Müller, „sie spricht Dinge aus, vor denen viele lieber die Augen verschließen.“
2026 zeigt Carambolage mit zahlreichen Vorstellungen und einem breiten Programm, wie lebendig diese Kunstform ist. Viele Abende sind bereits ausverkauft. Wer mitlachen, mitdenken und mitfühlen möchte, sollte sich beeilen – denn dieses Festival lebt von der Dynamik aktueller Talente, die etwas zu sagen haben.
Mehr Infos: Carambolage – Das Kabarett- und Comedyfestival | Karlstorbahnhof e.V.

