Heidelberg würdigt berühmte Schriftstellerin und Ehrenbürgerin durch einmonatige Ausstellung mit Rahmenprogramm
Die Ausstellung
Hilde Domin ist unzertrennbar mit Heidelberg verbunden. Sie hat den Namen der Stadt in die Welt getragen und kehrte nach Jahren im Exil zurück. So viele mit Heidelberg verbundene Ehrungen hat wohl kaum eine andere Person erhalten: Sie wurde u.a. mit dem nach ihrem benannten „Literaturpreis im Exil“ ausgezeichnet (der später ihren Namen erhielt), sie erhielt die renommierte Richard-Benz-Medaille und nicht zuletzt die Ehrenbürgerwürde. Zum Anlass des 20. Todestages der bedeutenden Nachkriegslyrikerin zeigt das Kulturamt Heidelberg vom 20. Februar bis 21. März 2026 im Museum Haus Cajeth eine Ausstellung zu Leben, Werk und Wirkung der Dichterin. Im Zentrum steht Domins poetisches Prinzip des „Dennoch“ – Hoffnung und Standhalten trotz Verlust, Exil und Brüchen. Die Ausstellung präsentiert Originale aus ihrem Arbeitsumfeld, etwa Schreibtisch, Notizen und persönliche Utensilien, die Einblicke in ihren kreativen Prozess gewähren Dazu kommen Dokumente, Erinnerungsstücke und mediale Formate, die ihre Spuren in der Stadt und ihre nachhaltige Wirkung erfahrbar machen. Sie zeigt, wie Domins Lyrik bis heute wirkt: als Sprache des Widerstands, der Hoffnung und der Verantwortung. Eine Bücherschau mit zahlreichen Übersetzungen verdeutlicht den internationalen Stellenwert ihres Werks und unterstreicht Hilde Domins Status als wichtige Stimme der UNESCO City of Literature Heidelberg. Ein begleitendes Rahmenprogramm lädt dazu ein, Hilde Domin als Dichterin von anhaltender gesellschaftlicher Aktualität neu zu entdecken.
FREITAG, 20. FEBRUAR 2026, 19 UHR: Vernissage der Ausstellung
Vertreterinnen und Vertreter aus Stadtspitze, Politik und Literaturwissenschaft eröffnen die Ausstellung mit Grußworten: Martina Pfister, Bürgermeisterin der Stadt Heidelberg; Prof. Dr. Lars Castellucci, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik; Dietrich Harth, em. Prof. für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universität Heidelberg
Musikalisch wird die Vernissage von Isabel Steinbach (Violine) und Anzhelika Kovalenko (Klavier) begleitet, Wortkunst performt der Heidelberger Hip-Hop-Pionier Toni Landomini und Prof. Dr. Rolf Verres würdigt das Werk Hilde Domins in Tönen.
Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 12, Heidelberg
SAMSTAG, 21. FEBRUAR 2026, 15 UHR: Führung in der Ausstellung mit Marion Tauschwitz
THEMA: „Mehr als simpler Adressenwechsel – Hilde Domins Jahrhundertleben auf der Weltkarte“
Gemeint ist eine Biografie, die von politischen Umbrüchen, erzwungener Migration und intellektueller Selbstbehauptung geprägt ist. Aus Ortswechseln werden dabei existenzielle Erfahrungen, die Denken, Schreiben und Zugehörigkeit nachhaltig formen.
Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 12, Heidelberg
SONNTAG, 22. FEBRUAR 2026, 11 UHR: Festgottesdienst „... damit es anders anfängt zwischen uns allen“
Der Gottesdienst führt durch ihre zentralen Gedichte, die durch Lesungen lebendig werden, begleitet von Klavier- und Gitarrenklängen. Ausgewählte Texte eröffnen Einblicke in ihr Leben, ihre Spiritualität und poetische Bildwelt, und die Messe endet mit einer Hommage an ihr Werk.
Leitung des Gottesdienstes: Pfarrer Vincenzo Petracca Gedichtvorträge: Marion Tauschwitz Musik: Gitarre: Adax Dörsam; Klavier: Rolf Verres
SONNTAG, 22. FEBRUAR 2026, 13.15 UHR: Einweihung einer Gedenkplakette für Hilde Domin
Die Karlstraße 16 war der letzte Wohnsitz Hilde Domins vor ihrer Emigration nach Italien und ein Ort, an dem sich ihr literarisches und intellektuelles Leben in den frühen Jahren formte.
Karlstraße 16, Heidelberg
MONTAG, 23. FEBRUAR 2026, 19.30 UHR: „Poetischer Dialog: Jean Joubert & Hilde Domin. Gedichte / Dialogue poétique: Jean Joubert & Hilde Domin. Poèmes“. Buchpräsentation mit Jean-Claude Crespy (Montpellier) und Marion Tauschwitz
Hilde Domins Gedichte wurden erstmals im Rahmen eines deutsch-französischen Übersetzungsprojekts zwischen Heidelberg und Montpellier übertragen; zugleich wurden Gedichte des französischen Lyrikers Jean Joubert ins Deutsche übersetzt. An dem Projekt wirkten drei Lyrikerinnen aus Heidelberg mit (Sofie Morin, Miriam Tag, Marion Tauschwitz) sowie drei Lyriker:innen aus Montpellier (Anne Barbusse, Jean-Claude Forêt, Michaël Glück), gemeinsam mit Jean-Claude Crespy (u.a. ehemaliger Leiter der Alliance francaise in Belgien und des Institut Francais in Berlin). Die Ergebnisse sind nun in einer bilingualen Publikation im Verlag das Wunderhorn erschienen und werden bei einer Lesung und Gesprächsvorstellung präsentiert. Montpellier-Haus, Kettengasse 19, Heidelberg
DONNERSTAG, 26. FEBRUAR 2026, 17 UHR: „Ich biete dir ein Teeviertelstündchen an…“.GEDOK-Lesung zu Hilde Domin in Kaffeehaus-Tradition mit eigens kreierten Dominchen
… am Ort, den Hilde Domin seit ihrer Zeit als Studentin liebte.
Marion Tauschwitz und Heidelberger Autorinnen stellen Gedichte und Leben der großen Lyrikerin vor bei einem Gedeck Tee/Kaffee und ‚Dominchen‘ – zubereitet vom Konditor des Cafés Schafheutle für diese einmalige Veranstaltung. Pate für dieses Gebäck sind die sogenannten Krallinchen. Zu Domins Zeiten kosteten sie 10 Pfennig und dienten den Studierenden als „Eintrittskarte“, um stundenlang im Café Krall – dem früheren Namen des heutigen Cafés – diskutierend verweilen zu dürfen.
SAMSTAG, 28. FEBRUAR 2026, 11 UHR: „Nur nicht müde werden … – Hilde Domin weitergeschrieben.“ Matinee mit Claudia Kiefer & Miriam Ysa Calista und dem Gitarristen Alex Roth
Die beiden Autorinnen laden zu einer poetischen Matinee ein, die die Lyrik Hilde Domins in die Gegenwart holt. Ausgehend von ausgewählten Gedichten Domins entsteht ein dialogisches Zusammenspiel aus Originaltexten und neuen poetischen Antworten, die ihre Themen – Exil und Heimkehr, Sprache und Schweigen, Mut, Verletzlichkeit und Hoffnung – auf heutige Lebenswirklichkeiten beziehen.
Behutsame persönliche Bezüge und ein offener, zugänglicher Ton schaffen einen Resonanzraum, in dem die Kraft ihrer Sprache neu erlebbar wird.
Der Musiker Alex Roth (Gitarre und Gesang) wird das literarische Gespräch mit drei eigens ausgewählten Songs erweitern und die Motive in den Werken von Hilde Domin - wie Exil, Heimaten und unterwegs sein - aufnehmen und mit uns erkunden.
Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 12, Heidelberg
SAMSTAG, 28. FEBRUAR 2026, 15 UHR: Führung in der Ausstellung mit Marion Tauschwitz
THEMA: „Trage mich, wenn es hell wird, an einen gütigen Strand. Hilde Domins Zeit in Santo Domingo“
Die karibische Insel bot ihr einerseits Sicherheit, andererseits war das Leben dort durch politische und soziale Umstände sowie durch die Distanz zur Heimat herausfordernd. Die Verarbeitung von Fremde, Einsamkeit, aber auch von neuen Begegnungen und Eindrücken der Landschaft und Kultur flossen später tief in ihre Lyrik ein. Gerade diese Phase ihres Lebens gab ihr die Weitsicht und die innerliche Freiheit, die schließlich in Erinnerung an die Insel Santo Domingo zur Wahl ihres Dichternamens Hilde Domin führte.
Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 12, Heidelberg
MITTWOCH, 4. MÄRZ 2026, 18 UHR: Kinovorstellung „Ich will Dich – Begegnungen mit Hilde Domin“ in Anwesenheit der Regisseurin
EINSTIMMUNG: Musikalische Lesung mit Texten von Hilde Domin. Mit Veronika Haas (Literaturherbst) und Matthias Paul (Theater im Karlstorbahnhof), Cello: Elisa Herbig
"Anna Ditges hat ein bewegendes Porträt der streitbaren Dichterin geschaffen. So quicklebendig wie die Dichterin ist auch der Film.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Regisseurin des preisgekrönten Dokumentarfilms hat die Grande Dame der deutschen Nachkriegsliteratur mit der Kamera durch die letzten zwei Jahre ihres langen und spannungsreichen Lebens begleitet.
SAMSTAG, 7. MÄRZ 2026, 15 UHR: Führung in der Ausstellung mit Marion Tauschwitz
THEMA: „Fragste die Lilie, die Rose, warumse, weshalbse, wiesose? Hilde Domins Gedichte und ihre Geschichte“
Marion Tauschwitz beleuchtet ausgewählte Gedichte Domins, erläutert ihre Entstehung und die biografischen Zusammenhänge und zeigt so, wie eng Leben, Erfahrung und poetischer Ausdruck bei der Dichterin miteinander verwoben sind.
Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 12, Heidelberg
SONNTAG, 8. MÄRZ 2026, 15 UHR: „Auf den Spuren von Hilde Domin in Heidelberg“ – Stadtführung mit Ildiko Mumm
Die Führung folgt den Stationen, die Hilde Domin in Heidelberg geprägt haben. Verschiedene Wohnungen, Unterkünfte und wichtige Orte werden angelaufen, so dass man einen Eindruck von den Wegen und Plätzen bekommt, die sie selbst zu ihren Lebensräumen und Inspirationsorten machte.
MITTWOCH, 11. MÄRZ 2026, 19 UHR: RNZ-Forum „Hilde Domin“
PODIUM: Aleida Assmann, Jagoda Marinić, Marion Tauschwitz, Marcel Kohler
Moderation: Klaus Welzel, Rhein-Neckar-Zeitung
Das RNZ‑Forum ist ein Veranstaltungsformat der Rhein‑Neckar‑Zeitung (RNZ), bei dem der Chefredakteur und Gäste auf Einladung zu Gesprächen und offenen Diskussionen über kultur‑, gesellschafts‑ und zeitgeschichtliche Themen in Heidelberg und der Region zusammenkommen. Es diskutieren Aleida Assmann, renommierte Kultur- und Gedächtnisforscherin, Jagoda Marinić, Schriftstellerin und Essayistin, Marion Tauschwitz, Biografin und Herausgeberin von Hilde Domins Werken, sowie der junge Theaterregisseur Marcel Kohler, der derzeit ein Stück über Hilde Domin am hiesigen Theater inszeniert, über Leben, Werk und Wirkung der Dichterin.
DONNERSTAG, 12. MÄRZ 2026, 18 UHR: "In den Herzen am Wegrand …". Begegnungen mit der Lyrikerin Hilde Domin
Mit Prof. Dietrich Harth, Sofie Morin, Marion Tauschwitz, Prof. Rolf Verres. Schirmherr: Bürgermeister Dr. Tobias Dangel.
Persönlich und kenntnisreich werden Dietrich Harth und Rolf Verres im Gespräch mit Marion Tauschwitz von ihrer Freundschaft zur großen Lyrikerin erzählen und erstaunliche Bögen schlagen zu José Rizal und Hilde Domin. Sofie Morin neigte sich an Wilhelmsfelder Wegsäumen Hilde Domins Worten zu und tritt mit eigener Lyrik in einen poetischen Dialog mit der großen Dichterin.
SAMSTAG, 14. MÄRZ 2026, 15 UHR: Führung in der Ausstellung mit Marion Tauschwitz
THEMA: „An den Graimbergweg denke ich trotz allem mit Zärtlichkeit. Hilde Domin und Erwin Walter Palm im Lebensgespräch“
Die Führung widmet sich den beiden Partnern, die 56 Jahre lang ein Paar waren und von 1961 bis 1988 gemeinsam im Graimbergweg lebten. Anhand von Texten und Erinnerungen wird ihr gemeinsames Leben beleuchtet – eine lange, inspirierende Partnerschaft, die laut Hilde Domin nicht immer einfach aber nie langweilig war.
Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 12, Heidelberg
MITTWOCH, 18. MÄRZ 2026, 19 UHR: Wer spricht? Hilde Domins „Doppelinterpretationen“ zwischen Anthologie und Dialog. Vortrag von Prof. Dr. Andrea Albrecht und Paula Odenheimer, Germanistisches Seminar, Universität Heidelberg
Hilde Domins „Doppelinterpretationen“ sind ein experimentelles Projekt, mit dem die Lyrikerin 1966 das in der Nachkriegszeit boomende Genre der Gedichtanthologien neu akzentuierte. Während Susan Sontag sich gegen die Praxis des Interpretierens stellte, warb Domin zeitgleich für das „deutsche Gedicht“ und seine Auslegungen. Wir fragen in unserem Vortrag nach dem Verhältnis von Gedicht und Interpretation, von poetischer und philologischer Autorität. Wer spricht, wer darf sprechen, wie werden Stimmen kuratiert und was entsteht im Widerstreit von Selbst- und Fremdinterpretation?
Museum Haus Cajeth, Haspelgasse 12, Heidelberg
SAMSTAG, 21. MÄRZ 2026, 12–16 UHR: Welttag der Poesie im Zeichen von Hilde Domin – Finissage der Ausstellung