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Tobias Schäfer (Foto: Stadt Heidelberg)
Tobias Schäfer
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
Gaisbergstraße 7 - 9
69115 Heidelberg

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Cluster 4

Energie- und Mobilitätswende + Teilhabe an Veränderungen

Illustration Cluster 4

Heidelberg als eine der jüngsten Städte Deutschlands hat die nächsten Generationen im Blick und macht große Schritte auf dem Weg zur Klimaneutralität. Dafür werden notwendige Investitionen in die Energie- und Mobilitätswende getätigt und Flächen für die nachhaltige Energieproduktion im regionalen Kontext entwickelt – etwa für Windkraft im Odenwald, Geothermie, Flusswärme und Abwasserwärmenutzung. Heidelberg will die Kreislaufwirtschaft im Baubereich stärken. Bildung für Nachhaltigkeit informiert und sensibilisiert für den Klimaschutz. Bürgerinnen und Bürger sollen weitere Angebote bekommen, um sich auch finanziell an der Energiewende beteiligen zu können.

Ausgangslage: Wie ist die Situation in Heidelberg?

Heidelberg hat beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle eingenommen und seit 1989 seinen CO2-Ausstoß pro Kopf um mehr als 30 Prozent verringert. Dennoch benötigt es für das Ziel einer gesamtstädtischen Klimaneutralität bis spätestens 2040 eine Fülle an Maßnahmen. 

Heidelberg hat sich klare Ziele gesteckt: In allen Handlungsfeldern soll konsequent auf das Ziel einer Klimaneutralität bis 2030 hingearbeitet werden. Bis 2040 soll die Gesamtstadt klimaneutral sein (nach BISKO-Bilanzierung). Die Verwaltung soll bereits 2030 weitestgehend klimaneutral sein.

So muss Heidelberg große Veränderungen an der technischen Infrastruktur vornehmen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Auch für die Wirtschaft sind diese Investitionen eine wichtige Voraussetzung: klimafreundlicher und günstiger Strom wird immer mehr zum Standortfaktor. Die Umstellung der Wärme- und Energieversorgung auf erneuerbare Energien und die Umgestaltung der Mobilitätsnetze sind Jahrhundertinvestitionen, vergleichbar zum Beispiel mit der Einführung der Elektrizität oder der Wasserver- und -entsorgung im 19. Jahrhundert. Dies führt die Kommunen an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Bei den anstehenden Veränderungen gilt es alle Bevölkerungsgruppen mitzudenken und die Transformation sozial gerecht auszugestalten, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren.

Mit der kommunalen Wärmeplanung wird der enorme Umfang der erforderlichen Investitionen in einem Schlüsselbereich erkennbar: Es müssen 100 Kilometer Fernwärmeleitung verlegt und über 10.000 Gebäude neu angeschlossen werden, eine Flusswärmepumpe errichtet und dezentrale Quartierslösungen ausgebaut werden (zum Beispiel mit Nahwärmenetzen, Luftwärmepumpen, Geothermie sowie Nutzung von Biomasse). Das bedeutet Investitionen in Milliardenhöhe im kommenden Jahrzehnt – obwohl die Heidelberger Wärmeversorgung schon heute zu rund 50 Prozent auf Fernwärme umgestellt ist und wiederum die Hälfte dieser Fernwärme bereits klimafreundlich erzeugt wird. Hinzu kommen noch Investitionen in der Region, zum Beispiel zur Umstellung des Großkraftwerkes Mannheim von Steinkohle auf erneuerbare Quellen wie Geothermie und Flusswärme, um die Fernwärme in Heidelberg klimaneutral zu machen.

Wärme- und Stromversorgung müssen künftig ohne fossile Energieträger erfolgen. Hierzu müssen Wind- und Solarenergie vor Ort erschlossen werden. Das macht Investitionen und die Bereitstellung von Flächen für die Stromerzeugung, zum Beispiel Windparks und Photovoltaikanlagen, erforderlich. Gleichzeitig müssen die Netze ausgebaut werden, um die Energieeinspeisung möglich zu machen. Neue Trassen, wie das deutsche Hochspannungsnetz, Gaspipelines für den Wasserstofftransport oder Umspannwerke werden benötigt und beanspruchen Flächen auf Heidelberger Gemarkung.

Die Stadt Heidelberg hat in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass die Energie- und Wärmeverteilnetze im öffentlichen Eigentum beziehungsweise dem der kommunalen Stadtwerke liegen. Wenn dies in Zukunft so bleiben soll, werden Investitionen im großen Umfang erforderlich.  Private Investitionen sollen angeregt werden. Mit dem Stadtwerkefonds können sich auch Bürgerinnen und Bürger an den nötigen Investitionen in die Wärmewende beteiligen.

Für die Mobilitätswende hat die Stadt bereits viel investiert und so dafür gesorgt, dass die Heidelbergerinnen und Heidelberger bereits über 80 Prozent der innerstädtischen Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zurücklegen. Dennoch sind auch in diesem Bereich weitere große Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur erforderlich. Der Neubau des Betriebshofes, die Fokussierung von Nord-Süd-Verbindungen für Fuß- und Radverkehr sowie ÖPNV einerseits und den Kraftfahrzeugverkehr andererseits und die Gestaltung von attraktiven West-Ost-Verbindungen sowie die Anbindung des Patrick-Henry-Village werden in den kommenden Jahrzenten für den Haushalt der Stadt besondere Herausforderungen bedeuten. 

Anstehende Entscheidungen über die Verteilung von Mitteln, aber auch die mit der Energie- und Mobilitätswende verbundenen Veränderungen können Unsicherheiten auslösen. Die Veränderungen kosten auch Privathaushalte Geld, wie gestiegene Energiepreise und Lebenshaltungskosten zeigen. Aktive Mitwirkung und Teilhabe an den Veränderungen kann eine Aufbruchstimmung erzeugen.

Wie ist die Zielsetzung?

Die Stadt steht zu ihren Klimazielen und wird kontinuierlich Anstrengungen und vor allem große Investitionen tätigen. Insbesondere in die Energie- und Wärmewende, in den Gebäudebestand sowie in die Mobilitätsinfrastruktur. 

Heidelberg will die Energieversorgung CO2 neutral umstellen und bis 2040 gemeinsam mit seinen Nachbarn eine regional bilanzielle Energieautarkie erreichen. Das heißt, die regionale Strom- und Wärmeproduktion entspricht in der Bilanz der in der Region verbrauchten Energie. Um das gesamtstädtische Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, müssen nennenswert neue Kapazitäten bei Windkraft, der Photovoltaik und der Wärmeerzeugung erschlossen und ans Netz gebracht werden. Daneben muss Energie unter anderem durch energetische Sanierung eingespart und effizienter genutzt werden. Die Stadt setzt auf ein Verteilnetz im langfristig gesicherten öffentlichen Eigentum. Die Planungen und Baumaßnahmen müssen vollständig und langfristig geplant, beschlossen, finanziert und dann verlässlich Schritt für Schritt umgesetzt werden. Gemeinschaftliche Finanzierungsmöglichkeiten, wie z. B. der Stadtwerkefonds oder Bürgerenergiegenossenschaften werden verstärkt genutzt.

Auch die Mobilitätswende wird bis 2035 entschieden vorangebracht. Auf Basis des Verkehrsentwicklungsplan/Klimamobilitätsplan (VEP / KMP) soll im nächsten Jahrzehnt die Mobilitätsinfrastruktur umgebaut werden. Die Stadt investiert weiter in den Ausbau des ÖPNV und gestaltet diesen bezahlbar, sicher und barrierefrei. Die Investitionen in den ÖPNV leistet Heidelberg im Rahmen seiner Beteiligung an der HSB – Heidelberger Straßen und Bergbahn GmbH (Eigentümerin Infrastruktur) und an der rnv – Rhein-NeckarVerkehrsgesellschaft GmbH (Betriebsgesellschaft). Zudem investiert Heidelberg gemeinsam mit seinen Nachbarkommunen in den Ausbau von Radschnellverbindungen und die Schließung von Lücken im vorhandenen Radwegenetz. Große Synergien gibt es bei der Gestaltung der öffentlichen Räume, der Klimaanpassung und der Gesundheit in Heidelberg: Mehr Fuß- und Radverkehr und weniger Emissionen durch Verkehr machen die Stadt lebenswerter, grüner, gesünder und attraktiver.

Heidelberg gibt den Menschen Sicherheit und Stabilität in den Zeiten der Veränderung. Langfristige und solide finanzierte Vorhaben werden Schritt für Schritt umgesetzt. Es wird deutlich gemacht, dass die ganze Bürgerschaft davon profitiert. Die Schritte der Veränderung werden berichtet und transparent für alle dargestellt. Erfolge werden gefeiert, Misserfolge behandelt und aus ihnen gelernt. Die Stadt gestaltet den Wandel gerecht, bezahlbar und mit Mehrwerten für die Stadtgesellschaft. Unter anderem setzt sich Heidelberg im Rahmen seiner Möglichkeiten für bezahlbare Mieten und Wärme, energieeffiziente und klimaangepasste, lebendige und gesunde Wohnquartiere und bezahlbaren ÖPNV ein. Erforderliche Investitionen in die soziale Infrastruktur werden aufgrund der Investitionen in die technische Infrastruktur nicht aufgeschoben.

Gute Kommunikation von Vorhaben, vernünftige, nachvollziehbare Ziele und klare Prioritätensetzungen können Ängste nehmen. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) soll priorisiert und Zukunftskompetenzen gestärkt werden. Die geplanten Veränderungen werden nicht nur vermittelt, sondern die Heidelbergerinnen und Heidelberger werden zu aktiven Gestalterinnen und Gestaltern der Veränderung. Auch die mitgestaltende Bürgerbeteiligung wird dafür gestärkt.

Noch fehlen in Heidelberg Fachkräfte, um die Veränderungen im erforderlichen Maß umzusetzen, weshalb das Handwerk gestärkt wird. Auch das vorhandene Knowhow der Wissenschaft wird genutzt, z. B. durch Ausgründungen, mehr Anwendungsbezug oder experimentelle Ansätze. 

Mit Blick auf begrenzte Ressourcen wird Heidelberg suffizienter und effizienter: Weniger muss genug sein, das Vorhandene erneuert und die Infrastruktur in Stand gehalten werden. Ressourcen werden gerecht verteilt, sollen effizienter genutzt und länger im Kreislauf gehalten werden. Die Stadt setzt auf kürzere Lieferketten, lokale Produktion, nachhaltigen Konsum und Konsumalternativen und stärkt die Kreislaufwirtschaft im Bauen. Im Bausektor wird zukünftig auch die Graue Energie (Erzeugung, Transport und Verarbeitung) und die Recyclingfähigkeit von Baustoffen berücksichtigt und in Bilanzen einbezogen. 

Die Ziele im Überblick:

Karte Cluster 4

Räumliche Entwicklung

Das Stadtentwicklungskonzept ist eng mit dem Verkehrsentwicklungsplan/Klimamobilitätsplan (VEP/KMP) verknüpft und die Inhalte sind aufeinander abgestimmt.

In Heidelberg werden die Verkehrsströme in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung neu geordnet, wobei der Individualverkehr auf die Ernst-Walz-Brücke, die Lessingstraße und die B 37 konzentriert wird, während in zentralen Bereichen wie der Bergheimer Straße, der Kurfürsten-Anlage und der heutigen B 3 der Umweltverbund im Fokus steht.

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