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Tobias Schäfer (Foto: Stadt Heidelberg)
Tobias Schäfer
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
Gaisbergstraße 7 - 9
69115 Heidelberg

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Cluster 5

International vernetzte Stadt + Lokale Bedürfnisse

Heidelberg schöpft seine Stärke aus Internationalität und Weltoffenheit. Wirtschaft und Arbeit, Wissenschaft und Forschung, Bildung, Kultur und soziales Miteinander sind die starken Motoren der dynamischen Stadtentwicklung, die Heidelberg auszeichnet. Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen und Ausbildungswünschen aus der ganzen Welt werden gezielt angeworben. Das Miteinander von Bewohnerinnen und Bewohnern, die lange hier leben und denen, die neu zuziehen, wird niederschwellig unterstützt. 

Ausgangslage: Wie ist die Situation in Heidelberg?

Heidelberg ist eine international vernetzte Stadt durch ihre Bürgerschaft, die Wissenschaft, die Unternehmen, den Tourismus und die Kultur. Das Alltagsleben ist dadurch gekennzeichnet. Die Heidelberger Bevölkerung ist geprägt durch junge und internationale Menschen, die Internationalität nimmt zu. Die Einwohnerschaft verändert sich beständig. Jährlich kommen rund 20 Prozent der Bevölkerung hinzu, fast ebenso viele verlassen die Stadt. Viele junge Menschen ziehen zur Ausbildung, zu Forschungszwecken oder für die erste Arbeitsstelle nach Heidelberg. In der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen stammten 2022 rund zwei Drittel (66 Prozent) nicht aus Heidelberg. 17 Prozent der Studierenden und 16 Prozent der Mitarbeitenden an Forschungseinrichtungen besaßen 2020 eine ausländische Staatsangehörigkeit. Der wachsende Arbeitsmarkt benötigt zusätzliche Arbeitskräfte und Zuwanderung von Fachkräften. Im letzten Jahrzehnt ist der Anteil der Arbeitnehmer mit ausländischem Pass von 12 auf 21 Prozent gestiegen. 

Vor welchen Chancen und Herausforderungen steht Heidelberg als Ankunfts- und Lebensort seiner vielfältigen und internationalen Gesellschaft? Für Menschen und Familien, die neu nach Heidelberg kommen, sind Wohnraum, Betreuungs- und Freizeitmöglichkeiten, Schulen, einfache Zugänge zu Anmelde- und Genehmigungsverfahren, niedrigschwellige Kontakte zu anderen Menschen und Vereinen sowie Arbeitsmöglichkeiten wichtig. Oft erleichtert der Kontakt zu Menschen aus derselben Herkunftsregion oder dem gleichen sozialen Milieu das Ankommen. In Heidelberg sind viele Prozesse im Alltag, aber auch Services der Verwaltung noch nicht optimal auf die Bedürfnisse der hier ankommenden Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet. Dies kann zu Abgrenzungen und Vorurteilen und geringem Engagement für die Wahlheimatstadt führen. 

Internationale Strahlkraft hat Heidelberg im Thema Wissenschaft/Life-Sciences/Medizin. Heidelberg möchte gute Entwicklungsmöglichkeiten für Forschung und Wissenschaft schaffen und die daraus gewonnen Errungenschaften für die Bürgerschaft nutzbar machen. Ihrer Verantwortung in der Welt wird Heidelberg als international vernetzte Stadt in besonderem Maße gerecht. Heidelberg stärkt seine internationalen Netzwerke und berücksichtigt bei seinen Entscheidungen die globale Wirkung.

Als Kulturstadt sowie als Destination von Touristinnen und Touristen aus aller Welt ist Heidelberg international sichtbar. Jährlich übernachten rund 700.000 Gäste in Heidelberg. Hinzu kommt der Tagestourismus. Besonders die östliche Innenstadt rund um das historische Zentrum der Stadt ist sehr stark durch den Tourismus geprägt, hier kommt es zu Belastungen und Nutzungskonflikten. Heidelberg ist eine Stadt des Sports – vom Breitensport bis zum Hochleistungssport auf Bundesliga-Niveau. Der Olympiastützpunkt Metropolregion Rhein-Neckar hat eine überregionale Ausstrahlung und fördert, unterstützt und begleitet den Spitzensport.

In Heidelberg leben die lokale und internationale Bevölkerung zusammen, die Wohndauer der Menschen ist sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es eine „lokale Blase“ mit Menschen, die schon seit langer Zeit in Heidelberg leben oder hier geboren sind und sich der Stadt eng verbunden fühlen. Kollektive Identitäten sind wichtig und das bürgerschaftliche Engagement prägt das städtische Leben, vor allem in den Stadtteilen. Heidelberg ist eine engagierte Stadt. 29 Prozent der Heidelbergerinnen und Heidelberger engagieren sich ehrenamtlich, allen voran in den Bereichen Soziales und Gesundheit, aber auch bei Bildung und Sport. Das freiwillige Engagement variiert stark nach Stadtteil. Heidelberg hat zahlreiche Sportvereine mit über 50.000 Mitgliedern in 125 Vereinen, darunter 15.000 Kinder und Jugendliche.

Auf der anderen Seite gibt es die internationale Identität, die „globale Blase“, mit Menschen, für die Heidelberg oft nur eine von vielen Etappen in einer internationalen Biografie ist. Aus beiden Perspektiven wird Heidelberg als weltoffener und urbaner Lebensmittelpunkt geschätzt und die Stadt profitiert von dem Zusammenspiel der Qualitäten.

Wie ist die Zielsetzung?

Heidelberg soll auch in Zukunft eine erfolgreiche und international renommierte Wissensstadt an der Weltspitze sein. Die Stadt soll weltoffen und einladend für Gäste wie Zuwanderung gleichermaßen sein. In einer globalisierten und vernetzten Welt hat lokales Handeln Auswirkungen weit über die kommunalen Grenzen hinaus. Die Stadt wird ihre Verantwortung in einer global vernetzen Welt wahrnehmen und diskutieren. Heidelberg versteht seine vielfältige Stadtbevölkerung als Stärke. 

Auch in Zukunft bleibt die Wissenschaft der Boden für innovative Wirtschaft, Start-Ups aber auch gute Ausbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten. Neue Fachkräfte sollen sich schnell in Heidelberg zu Hause fühlen. Familien soll ein gutes Angebot an Arbeitsplätzen und ein gutes Leben in der Stadt geboten werden. Dazu gehören: verfügbarer Wohnraum, qualitative soziale Infrastruktur, interessante Freizeit- und Kulturangebote. Engagement in Vereinen oder Initiativen soll leicht möglich sein. Ausländische Qualifikationen sollen besser und schneller anerkannt und lokale Stellenprofile anschlussfähiger werden. Außerdem sollen insbesondere die Serviceleistungen der Verwaltung einfacher, digital zugänglich und zukünftig auch mehrsprachig angeboten werden. Nicht nur neu Zugewanderte, auch schon lange in Heidelberg lebende Menschen profitieren von diesen Verbesserungen. 

Heidelberg setzt auf eine breite Branchenvielfalt und einen diversifizierten Arbeitsmarkt. Der lokale Arbeitsmarkt soll deutlicher als heute die Vielfalt an Fähigkeiten und Wissen durch passende Arbeitsstellen abbilden. Ohne die bewusste Stärkung von bereits existierenden Fokusbranchen zu vernachlässigen, müssen auch die Bedarfe vieler anderer Branchen berücksichtigt werden. Nur so können ein diversifizierter und damit zukunftsfähiger, resilienter Arbeits- und Wirtschaftsstandort im regionalen und internationalen Maßstab und der Austausch untereinander für alle erhalten bleiben. 

Die zahlreichen Kultur- und Kreativunternehmen aller Teilbranchen bilden die international erfolgreiche und vielfältige Kultur- und Kreativwirtschaft Heidelbergs. Die Vielfalt und Qualität des kulturellen Angebotes wird erhalten und für alle zugänglich gemacht. Kultur und Kunstproduktion sind eine wichtige Basis für Wissenstransfer, Austausch, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das Innovationsökosystem aus Wissenschaft, Kliniken und Forschung, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Kultur soll sich nicht auf isolierte Inseln im Stadtgefüge zurückziehen, sondern Sichtbarkeit im Stadtraum und in der Stadtgesellschaft entfalten, wie z. B. durch Science in the City oder Schaufester der Universität in der Innenstadt. Diese Potenziale schöpft die Stadt Heidelberg voll aus und wird als Kommune mit Entwicklungsflächen und gezielter Förderung zur Seite stehen. Das Spektrum der Unterstützung reicht von der Bereitstellung von Flächen bis hin zu Räumlichkeiten unterschiedlicher Größe für Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen.

Heidelberg will künftig als gründungsfreundliche Kommune das internationale Profil der Unternehmerschaft stärker in den Vordergrund stellen. Um den Anforderungen an eine internationale Stadt besser gerecht zu werden, rücken folgende Bereiche in den Fokus: Wohnen, Mobilität, Bildungsabschlüsse, Alltagsprozesse, Digitalisierung. Angebote und Verfahren sollen mehrsprachig, einfach und digital verfügbar sein.

Heidelberg bleibt einzigartig und behält ihren Charakter – sie darf trotz aller Interna tionalität und Globalisierung nicht austauschbar werden. Das historische und baukulturelle Erbe wird geschützt und behutsam weiterentwickelt. Das Ziel ist ein Heidelberg, das Identifikation und Anknüpfungspunkt für alle Menschen in der Stadt bietet. Doch das Nebeneinander und die Ansprüche verschiedener Gruppen werden auch Probleme mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und so das gegenseitige Verständnis für Bedürfnisse und persönliche und kulturelle Eigenheiten kontinuierlich zu fördern.

Die Gemeinschaft lebt vom Engagement ihrer Menschen. Auch zukünftig soll eine lebendige Engagement- und Ehrenamtskultur das Zusammenleben in der Stadt fördern. Sowohl Alteingesessene als auch neue Heidelbergerinnen und Heidelberger sollen durch Unterstützung und Ansprechpartnerinnen und -partner bei der Stadt ermutigt und befähigt werden, ihre Stadt mitzugestalten und eigene Ideen umzusetzen. Neue, barrierefreie, mehrsprachige Angebote und eine niedrigschwellige Beteiligungskultur sollen alle Generationen und die Vielfalt der Menschen in Heidelberg ansprechen und zu demokratischer Mitbestimmung und einem kontinuierlichen Austausch ermutigen. 

Der Tourismus bleibt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Heidelberg heißt seine Gäste willkommen – doch es wird künftig stärker auf Rücksichtnahme, Nachhaltigkeit, Qualität, Kultur und den Austausch Wert gelegt. Längere Aufenthaltszeiten statt Tagestourismus, dabei stärkere Vernetzung des Tourismus mit der Region, Vermittlungsarbeit zwischen Gästen, Guides und den Bewohnerinnen und Bewohnern, Barrierefreiheit sowie die Stärkung nachhaltiger Angebote sind Ziele. 

Heidelberg ist Teil einer international geprägten und vernetzten Metropolregion. Diese Stärke wird Heidelberg als Standortfaktor nutzen und gleichzeitig mit eigenen Qualitäten die Konkurrenzfähigkeit der Metropolregion im globalen Maßstab stärken. 

Die Ziele im Überblick:

Wege zum Ziel

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